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Legal Institutionalism: die Dialektik des Rechts

Vorbemerkung

Nehmen sie sich Zeit diesen Text in Ruhe und gegebenenfalls auch mehrmals zu lesen. Der Text kann unter Umständen schon dadurch herausfordernd zu lesen sein, da Begriffe unterschiedlicher Fachbereiche Verwendung finden, deren Bedeutung nicht immer der Alltagsverwendung dieser Begriffe entspricht, so sie überhaupt im Alltag Verwendung finden. Weil der Text zudem lang ist, beginnen wir mit einer inhaltlichen Zusammenfassung.

Zusammenfassung

Die EU und die Eurozone sind in einer tiefen Krise. Die orthodoxe und heterodoxe Ökonomie ebenfalls. Während in der orthodoxen, neoklassischen Ökonomie Geld keine Rolle spielt und deshalb auch Finanzkrisen nicht erklärt werden können, haben die (heterodoxen) Postkeynesianer in dieser Hinsicht mehr zu bieten. Aber der heterodoxen Ökonomie insgesamt fehlt ein gemeinsames Paradigma. Es fehlt ihr auch ein systematisches, präzises rechtliches Fundament, ohne das die verschiedenen Ebenen der institutionellen Fehlkonstruktionen der Eurozone und der EU nicht erkannt und deshalb auch nicht behoben werden können. „Legal Institutionalism: die Dialektik des Rechts“ weiterlesen

Law & Finance – Neue Ansätze

Wir möchten all jenen, die an unserer Arbeit interessiert sind, einen Vortrag von Katharina Pistor empfehlen, den sie 2014 in Frankfurt gehalten hat (und der sich nicht in unseren youtube-kanal integrieren ließ).

Den Link findet ihr am Ende dieses kurzen Texts!

Wir können Pistor nur voll zustimmen, wenn sie sagt:

„Ich denke, daß man diese verschiedenen Bereiche (und Fachdisziplinen) mehr zusammeführen müßte.  Den Sozialwissenschaftlern und Ökonomen, die versuchen, Recht als Institution zu begreifen, möchte ich sagen, daß man das kapitalistische System und das globale Finanzsystem nicht voll verstehen kann, wenn man sich nicht detailliert mit den rechtlichen Institutionen beschäftigt, die dieses System begründen (nicht vollständig determinieren – aber begründen).  Man muß diese Institutionen kennen, man muß auch wissen, wie sie eingesetzt, benutzt und umgewandelt werden von den wichtigsten Akteuren gerade im Finanzsystem – d.h. den Anwälten, Regulatoren und Finanzintermediären.

Den Juristen würde ich sagen, wir haben zwar ein dogmatisches Methodenverständnis entwickelt, das uns hilft, einzelne Rechtsinstitutionen systemimmanent zu erklären.  Und doch können wir daraus allein die breiteren Systeme, in denen wir uns befinden und bewegen, nicht voll erklären.  Wir brauchen letztendlich beides. D.h. Juristen müßten sich öffnen und schauen, welche Auswirkungen eigentlich die dogmatischen Strukturen (des Rechts) haben, und die Sozialwissenschaftler müßten sich mehr mit den Details der juristischen Figuren auseinandersetzen.“

So ist es:

Sozialwissenschaftlern, die nicht präzise unterscheiden können zwischen

  • Eigentum und Besitz sowie Sachen und Rechten bzw. Rechtsobjekten 2. und 1. Ordnung
  • Privatrecht, Öffentlichem Recht und Völkerrecht
  • Vermögen, Geld und Kapital
  • Nettogeldvermögen und Zahlungsmitteln
  • Einzahlungen/Auszahlungen, Einnahmen/Ausgaben und Erträgen/Aufwendungen
  • Leistungsbilanz-/Einnahmeüberschüssen und Profiten
  • Staatlich vermittelten, formalen Rechts- und Verpflichtungsbeziehungen (z.B. Vertrag, Steuerpflicht) und informellen, direkt persönlichen Beziehungen („Reziprozität“)

fehlen die begrifflichen Mittel, um Kapitalismus – d.h. die antike und moderne europäisch-westliche Zivilisation – schlüssig und präzise verstehen zu können.

Deshalb bemühen wir uns bei ANEP, über die Integration von Schlüsselkonzepten aus Recht, doppelter Buchhaltung, volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung und Stützel’scher, saldenmechanisch fundierter Makroökonomie, nicht nur den Blick über den Tellerrand der Fachdisziplinen zu ermöglichen, sondern diese systematisch und begrifflich präzise integrierbar zu machen.

Das gehörte auch zu  Wolfgang Stützels zentralen Anliegen. Ihm war sehr klar bewußt, daß die Fachdisziplinen oft aufgrund mangelnder präziser gemeinsamer Begriffsgrundlagen aneinander vorbeireden und nicht fruchtbar kooperieren können.  Am deutlichsten hat er das vielleicht in seinem Aufsatz, „Wirtschaftstheorie und Rechtspolitik“ dargestellt, der 1978 im Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftpolitik (Bd. 23, S. 107-123) erschienen ist.   Um hier integrierend zu wirken, hatte er an der Universität des Saarlands das Institut für civilistisch-ökonomische Studien gegründet.

Wir brauchen mehr solcher Institute – und Katharina Pistor bemüht sich darum, ein solches aufzubauen: das Global Law in Finance Network an der Columbia University in New York, das auch mit der Goethe-Universität Frankfurt kooperiert.

Dort fand Katharina Pistors Vortrag statt: click here to view !

Sie verdient alle Unterstützung bei ihren wichtigen Bemühungen – auch um WINIR, das World Interdisciplinary Network for Institutional Research.

Ist tatsächlich „neu immer besser“?

Kürzlich bekam ich einige Fragen zu „unserem“ Wirtschaftssystem und zu „unserer“ Gesellschaft gestellt und da sich ein spannender Austausch auf Basis der Fragen ergab möchte ich diesen hier inhaltlich für alle wieder geben, in der Hoffnung damit auch bei dem ein oder anderen offene Fragen zu adressieren.

Funktioniert unser Wirtschaftssystem nach dem Prinzip „Neu ist immer besser“?

Neu ist nicht notwendigerweise immer besser, aber profitabler ist immer besser als unprofitabler, wenn man den Maßstab des „privatrechtlichen Vermögenskalküls“ anlegt.
Dieser Maßstab ist die Wahrnehmung eines einzigen Attributs: die Höhe der Bewertung der geldwerten Rechte im Vermögen der so kalkulierenden Rechtsperson.

Muss die „Industrie“ ständig neue, innovative Produkte herausbringen oder sterben?

„Ist tatsächlich „neu immer besser“?“ weiterlesen

Einführung in Neue Europäische Politische Ökonomie: Neue Playlists auf unserem Youtubekanal

Zusätzlich zu unseren eigenen Präsentationsvideos haben wir auf unserem youtubekanal einige neue playlists erstellt, in denen Grundpfeiler des von uns vorgeschlagenen Paradigmas dargestellt und kurz erläutert werden: informelle Reziprozität, Rechtsinstitutionalismus, Saldenmechanik, und vergleichende historische Analyse, mit deren Hilfe lange historische Zyklen besser erkennbar werden.

Wer also sich also einen kleinen Einblick in Grundbausteine unserer transdisziplinären Perspektive verschaffen möchte, kann das tun, indem er sich zum ANEP Economics Youtubekanal weiterklickt.

Viel Vergnügen!

YSI Plenary Budapest 2016

Weshalb haben sich der Finanzminister Deutschlands, Wolfgang Schäuble, und der ehemalige Finanzminister Griechenlands, Yanis Varoufakis, anscheinend nicht verstanden?
Aus unserer Sicht fehlt beiden ein gemeinsames „makroökonomisches“ Paradigma, das für gegenseitiges Verstehen hilfreich wäre; beide beziehen sich auf unterschiedliche, unvereinbare Traditionen der Erklärung von „Wirtschaft“: Schäuble (bzw. seine Berater) glauben letztendlich ans neoklassische Paradigma, das bereits in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gescheitert war dessen Unfähigkeit zur Erklärung von Finanzkrisen seit 2008 erneut offenbar geworden ist. Varoufakis bezieht sich auf die Tradition von Keynes, die die Neoklassik nach WK II ersetzte, aber ab Mitte der 70er wieder zugunsten der alten Neoklassik verdrängt wurde.

Auf dem Weg zu einem solchen neuen Paradigma, das beide Sichtweisen integrieren können soll, „YSI Plenary Budapest 2016“ weiterlesen

Marx, Stützel und Neue Europäische Politische Ökonomie

Neuer Kommentar von Wolfgang auf guthabenkrise.de, passend zum 1. Mai, der nicht etwa der „Tag der Arbeit“, sondern der Tag der Internationalen Arbeiterbewegung ist:

Den unteren 95% sind Theorie, Orientierung und Organisation abhanden gekommen, seit 1989 lassen sie sich vom liberalen ideologischen Gegner in die Orientierungs- und angebliche Alternativlosigkeit und Vereinzelung hineinreden. Am ersten Mai 1886 kämpfte die nordamerikanische Arbeiterbewegung für eine Beschränkung der täglichen Arbeitszeit auf 8 Stunden.

Am 1. Mai 2016 kämpft in den USA Bernie Sanders für die Präsidentschaftskandiatur, „Marx, Stützel und Neue Europäische Politische Ökonomie“ weiterlesen

WINIR Symposium 2016 on Property Rights

Nicolas und ich (Wolfgang) haben letzte Woche in Bristol beim 2016er Symposium des World Interdisciplinary Network for Institutional Research einen ersten Entwurf unseres Paradigmas für eine Neue Europäische Politische Ökonomie vorgestellt.  Thomas Weiss hat uns begleitet und unsere Präsentationen aufgezeichnet (und auch rege an der Diskussion teilgenommen).

Ihr könnt beide jeweils 20-minütigen Präsentationen hier anschauen:

„WINIR Symposium 2016 on Property Rights“ weiterlesen

Herrschaft zu etablieren ist einfach…

man muss lediglich genügend Gewaltmittel aufbringen, alle Untertanen unterdrücken und mindestens so viel aus ihnen herauspressen wie für den Erhalt der Regierung zwingend notwendig ist.
Freiheit zu etablieren ist sogar noch einfacher: man gibt die Herrschaft zur Gänze auf und überlässt die Untertanen sich selbst.

Einen freiheitlichen, demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu errichten und als solchen erhalten zu wollen, heißt hingegen sich mit der Dialektik der Freiheit auseinander zu setzen. „Herrschaft zu etablieren ist einfach…“ weiterlesen