Neue Präsentation von Charlotte Bruun und Q&A-Sessions unseres Seminars an der BI Business School in Oslo online

Charlotte Bruun war die erste, die schon 1995 das Potential wichtiger Teile von Stützels Grundkonzepten (Zweiteilung des Objekts der Geldtheorie, Gleichschrittkonzept) erkannt und als erste ins Englische übertragen hat, um dies dann zum Bau einer „agent-based“ Computersimulation einer monetären Ökonomie zu nutzen – lang, bevor agent based modelling in Mode kam.

In ihrer Präsentation beschreibt sie das „making of“ ihrer hoch innovativen und in sehr klarer Sprache verfaßten Dissertation, „Logical Structures and Algorithmic Behavior in a Credit Economy“ (Aalborg 1995).

Nähere Infos und Links zu Charlottes Dissertation und den neuen Videos findet ihr auf unseren englischsprachigen Blogseiten (auch erreichbar, indem ihr oben in der Menüleiste auf das entsprechende Symbol klickt).

ANEP-Seminar 2017 an der BI Norwegian Business School Oslo: Videos jetzt verfügbar

Vom 1.-3. November 2017 haben wir an der Norwegian Business School in Oslo ein Seminar gegeben, das einen Überblick über die bisherigen Resultate unserer Arbeit gab. Die 5 ersten Videos der dortigen Präsentationen sind jetzt online (Klick aufs Bild öffnet die Youtube-Playlist in einem neuen Tab):

Wie ihr ja wißt, besteht unsere Arbeit darin, die von Wolfgang Stützel entwickelte monetäre Makroökonomie explizit mit der vom römischen Recht herkommenden kontinentaleuropäischen Rechtstradition und dem neu entstehenden Forschungsfeld des Legal Institutionalism zu verbinden, und so auch dem englischsprachigen Raum und damit auch einer gesamteuropäischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Wir hatten dafür den Entwickler und führenden Vertreter des Legal Institutionalism, Prof. Geoffrey Hodgson (University of Hertfortshire), Gründer des World Interdisciplinary Network for Institutional Research WINIR und Autor des Buchs „Conceptualizing Capitalism“,  und den in Deutschland führenden Experten für Wolfgang Stützels Werk, Prof. Johannes Schmidt (Karlsruhe) eingeladen, um beide Forschungsfelder auch personell in Verbindung zu bringen.   Wolfgang Stützel selbst hatte seine Arbeit auf den Legal Institutionalism von John R. Commons („Legal Foundations of Capitalism“) aufgebaut und  hat sich an der Universität des Saarlands, wo er von 1958-1987 lehrte, sehr für eine enge Zusammenarbeit der juristischen, betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Fakultäten eingesetzt.  Wir halten das für ebenso wichtig und wollen seine Arbeit in diesem Sinne fortsetzen und bekannt machen.

Das Seminar bietet die erste englischsprachige Darstellung von Wolfgang Stützels saldenmechanisch fundierter Konjunkturtheorie, deren erster Teil von Thomas Weiss, deren zweiter Teil von Prof. Johannes Schmidt dargestellt wird.  Sie bietet einen übergreifenden, generellen Rahmen, in den sich bestehende Konjunkturtheorien sowohl neoklassischer als auch keynesianischer und postkeynesianischer Herkunft als Sonderfälle integrieren und einsortieren lassen, wie Johannes Schmidt darstellt.   Stützels Werk stellt daher – wie auch 1936 von Keynes beabsichtigt – eine General Theory dar, die die orthodoxe klassische und neoklassische Theorie nicht verwirft, sondern als Sonderfälle integriert.  Das war von Stützel selbst auch explizit so intendiert und durchgeführt.  In seiner Dissertation, „Preis, Wert und Macht“, die er 1952 im Alter von 27 Jahren in Tübingen verfaßt hat, beschrieb er seine generelle Methode so:

„Alle diese kritischen Interpretationsergebnisse haben wir mit der von uns überall bevorzugten Methode erarbeitet: Zunächst eine allgemeine Grundtheorie zu entwerfen, von der aus sich die erörterten Lehrmeinungen als Speziallösungen des allgemeine Problems unter (häufig) stillschweigender Voraussetzung spezifischer (nicht notwendiger) Bedingungen aufzeigen lassen.

Hierin liegt ein Hauptergebnis: Hat sich unser eigener Ansatz (insbesondere unsere Fundamentalregel) in solcher Weise bewährt, befindet er sich also nicht etwa in Widerspruch zu den dargestellten Lehrmeinungen, sondern bildet er ein allgemeines Grundschema, innerhalb dessen auch die dargestellten Lehrmeinungen ihr Recht, ihre Würdigung, aber auch ihre Begrenzung finden können – dann können wir uns für unsere weitere Analyse getrost dem allgemeinen Grundschema anvertrauen: Die mit Hilfe dieses Grundschemas erarbeiteten Ergebnisse können dann von diesen spezielleren [werttheoretischen] Problemlösungen aus nicht mehr angegriffen werden.“ (Wolfgang Stützel 1952: Preis, Wert und Macht: Analytische Theorie des Verhältnisses der Wirtschaft zum Staat. Aalen: Scientia Verlag 1972, S. 132)

Hier klicken, um die Präsentationen anzuschauen! 

Materialien dazu (Papers, Präsentationsfolien) hier.

Law & Finance – Neue Ansätze

Wir möchten all jenen, die an unserer Arbeit interessiert sind, einen Vortrag von Katharina Pistor empfehlen, den sie 2014 in Frankfurt gehalten hat (und der sich nicht in unseren youtube-kanal integrieren ließ).

Den Link findet ihr am Ende dieses kurzen Texts!

Wir können Pistor nur voll zustimmen, wenn sie sagt:

„Ich denke, daß man diese verschiedenen Bereiche (und Fachdisziplinen) mehr zusammeführen müßte.  Den Sozialwissenschaftlern und Ökonomen, die versuchen, Recht als Institution zu begreifen, möchte ich sagen, daß man das kapitalistische System und das globale Finanzsystem nicht voll verstehen kann, wenn man sich nicht detailliert mit den rechtlichen Institutionen beschäftigt, die dieses System begründen (nicht vollständig determinieren – aber begründen).  Man muß diese Institutionen kennen, man muß auch wissen, wie sie eingesetzt, benutzt und umgewandelt werden von den wichtigsten Akteuren gerade im Finanzsystem – d.h. den Anwälten, Regulatoren und Finanzintermediären.

Den Juristen würde ich sagen, wir haben zwar ein dogmatisches Methodenverständnis entwickelt, das uns hilft, einzelne Rechtsinstitutionen systemimmanent zu erklären.  Und doch können wir daraus allein die breiteren Systeme, in denen wir uns befinden und bewegen, nicht voll erklären.  Wir brauchen letztendlich beides. D.h. Juristen müßten sich öffnen und schauen, welche Auswirkungen eigentlich die dogmatischen Strukturen (des Rechts) haben, und die Sozialwissenschaftler müßten sich mehr mit den Details der juristischen Figuren auseinandersetzen.“

So ist es:

Sozialwissenschaftlern, die nicht präzise unterscheiden können zwischen

  • Eigentum und Besitz sowie Sachen und Rechten bzw. Rechtsobjekten 2. und 1. Ordnung
  • Privatrecht, Öffentlichem Recht und Völkerrecht
  • Vermögen, Geld und Kapital
  • Nettogeldvermögen und Zahlungsmitteln
  • Einzahlungen/Auszahlungen, Einnahmen/Ausgaben und Erträgen/Aufwendungen
  • Leistungsbilanz-/Einnahmeüberschüssen und Profiten
  • Staatlich vermittelten, formalen Rechts- und Verpflichtungsbeziehungen (z.B. Vertrag, Steuerpflicht) und informellen, direkt persönlichen Beziehungen („Reziprozität“)

fehlen die begrifflichen Mittel, um Kapitalismus – d.h. die antike und moderne europäisch-westliche Zivilisation – schlüssig und präzise verstehen zu können.

Deshalb bemühen wir uns bei ANEP, über die Integration von Schlüsselkonzepten aus Recht, doppelter Buchhaltung, volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung und Stützel’scher, saldenmechanisch fundierter Makroökonomie, nicht nur den Blick über den Tellerrand der Fachdisziplinen zu ermöglichen, sondern diese systematisch und begrifflich präzise integrierbar zu machen.

Das gehörte auch zu  Wolfgang Stützels zentralen Anliegen. Ihm war sehr klar bewußt, daß die Fachdisziplinen oft aufgrund mangelnder präziser gemeinsamer Begriffsgrundlagen aneinander vorbeireden und nicht fruchtbar kooperieren können.  Am deutlichsten hat er das vielleicht in seinem Aufsatz, „Wirtschaftstheorie und Rechtspolitik“ dargestellt, der 1978 im Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftpolitik (Bd. 23, S. 107-123) erschienen ist.   Um hier integrierend zu wirken, hatte er an der Universität des Saarlands das Institut für civilistisch-ökonomische Studien gegründet.

Wir brauchen mehr solcher Institute – und Katharina Pistor bemüht sich darum, ein solches aufzubauen: das Global Law in Finance Network an der Columbia University in New York, das auch mit der Goethe-Universität Frankfurt kooperiert.

Dort fand Katharina Pistors Vortrag statt: click here to view !

Sie verdient alle Unterstützung bei ihren wichtigen Bemühungen – auch um WINIR, das World Interdisciplinary Network for Institutional Research.

Ist tatsächlich „neu immer besser“?

Kürzlich bekam ich einige Fragen zu „unserem“ Wirtschaftssystem und zu „unserer“ Gesellschaft gestellt und da sich ein spannender Austausch auf Basis der Fragen ergab möchte ich diesen hier inhaltlich für alle wieder geben, in der Hoffnung damit auch bei dem ein oder anderen offene Fragen zu adressieren.

Funktioniert unser Wirtschaftssystem nach dem Prinzip „Neu ist immer besser“?

Neu ist nicht notwendigerweise immer besser, aber profitabler ist immer besser als unprofitabler, wenn man den Maßstab des „privatrechtlichen Vermögenskalküls“ anlegt.
Dieser Maßstab ist die Wahrnehmung eines einzigen Attributs: die Höhe der Bewertung der geldwerten Rechte im Vermögen der so kalkulierenden Rechtsperson.

Muss die „Industrie“ ständig neue, innovative Produkte herausbringen oder sterben?

„Ist tatsächlich „neu immer besser“?“ weiterlesen

Einführung in Neue Europäische Politische Ökonomie: Neue Playlists auf unserem Youtubekanal

Zusätzlich zu unseren eigenen Präsentationsvideos haben wir auf unserem youtubekanal einige neue playlists erstellt, in denen Grundpfeiler des von uns vorgeschlagenen Paradigmas dargestellt und kurz erläutert werden: informelle Reziprozität, Rechtsinstitutionalismus, Saldenmechanik, und vergleichende historische Analyse, mit deren Hilfe lange historische Zyklen besser erkennbar werden.

Wer also sich also einen kleinen Einblick in Grundbausteine unserer transdisziplinären Perspektive verschaffen möchte, kann das tun, indem er sich zum ANEP Economics Youtubekanal weiterklickt.

Viel Vergnügen!

YSI Plenary Budapest 2016

Weshalb haben sich der Finanzminister Deutschlands, Wolfgang Schäuble, und der ehemalige Finanzminister Griechenlands, Yanis Varoufakis, anscheinend nicht verstanden?
Aus unserer Sicht fehlt beiden ein gemeinsames „makroökonomisches“ Paradigma, das für gegenseitiges Verstehen hilfreich wäre; beide beziehen sich auf unterschiedliche, unvereinbare Traditionen der Erklärung von „Wirtschaft“: Schäuble (bzw. seine Berater) glauben letztendlich ans neoklassische Paradigma, das bereits in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gescheitert war dessen Unfähigkeit zur Erklärung von Finanzkrisen seit 2008 erneut offenbar geworden ist. Varoufakis bezieht sich auf die Tradition von Keynes, die die Neoklassik nach WK II ersetzte, aber ab Mitte der 70er wieder zugunsten der alten Neoklassik verdrängt wurde.

Auf dem Weg zu einem solchen neuen Paradigma, das beide Sichtweisen integrieren können soll, „YSI Plenary Budapest 2016“ weiterlesen

Legal Institutionalism: die Dialektik des Rechts

Vorbemerkung

Nehmen sie sich Zeit diesen Text in Ruhe und gegebenenfalls auch mehrmals zu lesen. Der Text kann unter Umständen schon dadurch herausfordernd zu lesen sein, da Begriffe unterschiedlicher Fachbereiche Verwendung finden, deren Bedeutung nicht immer der Alltagsverwendung dieser Begriffe entspricht, so sie überhaupt im Alltag Verwendung finden. Weil der Text zudem lang ist, beginnen wir mit einer inhaltlichen Zusammenfassung.

Zusammenfassung

Die EU und die Eurozone sind in einer tiefen Krise. Die orthodoxe und heterodoxe Ökonomie ebenfalls. Während in der orthodoxen, neoklassischen Ökonomie Geld keine Rolle spielt und deshalb auch Finanzkrisen nicht erklärt werden können, haben die (heterodoxen) Postkeynesianer in dieser Hinsicht mehr zu bieten. Aber der heterodoxen Ökonomie insgesamt fehlt ein gemeinsames Paradigma. Es fehlt ihr auch ein systematisches, präzises rechtliches Fundament, ohne das die verschiedenen Ebenen der institutionellen Fehlkonstruktionen der Eurozone und der EU nicht erkannt und deshalb auch nicht behoben werden können. „Legal Institutionalism: die Dialektik des Rechts“ weiterlesen

Marx, Stützel und Neue Europäische Politische Ökonomie

Neuer Kommentar von Wolfgang auf guthabenkrise.de, passend zum 1. Mai, der nicht etwa der „Tag der Arbeit“, sondern der Tag der Internationalen Arbeiterbewegung ist:

Den unteren 95% sind Theorie, Orientierung und Organisation abhanden gekommen, seit 1989 lassen sie sich vom liberalen ideologischen Gegner in die Orientierungs- und angebliche Alternativlosigkeit und Vereinzelung hineinreden. Am ersten Mai 1886 kämpfte die nordamerikanische Arbeiterbewegung für eine Beschränkung der täglichen Arbeitszeit auf 8 Stunden.

Am 1. Mai 2016 kämpft in den USA Bernie Sanders für die Präsidentschaftskandiatur, „Marx, Stützel und Neue Europäische Politische Ökonomie“ weiterlesen

WINIR Symposium 2016 on Property Rights

Nicolas und ich (Wolfgang) haben letzte Woche in Bristol beim 2016er Symposium des World Interdisciplinary Network for Institutional Research einen ersten Entwurf unseres Paradigmas für eine Neue Europäische Politische Ökonomie vorgestellt.  Thomas Weiss hat uns begleitet und unsere Präsentationen aufgezeichnet (und auch rege an der Diskussion teilgenommen).

Ihr könnt beide jeweils 20-minütigen Präsentationen hier anschauen:

„WINIR Symposium 2016 on Property Rights“ weiterlesen