{"id":262,"date":"2016-07-08T23:59:47","date_gmt":"2016-07-08T21:59:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=262"},"modified":"2025-11-04T09:56:21","modified_gmt":"2025-11-04T08:56:21","slug":"legal-institutionalism-die-dialektik-von-privatrecht-und-oeffentlichem-recht-markt-und-staat-rechnungswesen-und-postkeynesianische-monetaere-makrooekonomie-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=262&lang=de","title":{"rendered":"Legal Institutionalism: die Dialektik des Rechts"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorbemerkung<\/h2>\n\n\n\n<p>Am besten w\u00e4re, Sie nehmen sie sich Zeit, diesen Text in Ruhe &#8211; und gegebenenfalls auch mehrmals &#8211; zu lesen. Der Text kann unter Umst\u00e4nden schon dadurch herausfordernd sein, weil Begriffe unterschiedlicher Fachbereiche Verwendung finden, deren Bedeutung nicht immer der Alltagsverwendung dieser Begriffe entspricht, so sie \u00fcberhaupt im Alltag Verwendung finden.&nbsp; Weil der Text zudem lang ist, beginnen wir mit einer inhaltlichen Zusammenfassung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die EU und die Eurozone sind in einer tiefen Krise. Die orthodoxe und heterodoxe \u00d6konomie ebenfalls. W\u00e4hrend in der orthodoxen, neoklassischen \u00d6konomie Geld keine Rolle spielt und deshalb auch Finanzkrisen nicht schl\u00fcssig erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen, haben die (heterodoxen) Postkeynesianer in dieser Hinsicht mehr zu bieten. Aber der heterodoxen \u00d6konomie insgesamt fehlt ein gemeinsames Paradigma. Es fehlt ihr auch ein systematisches, pr\u00e4zises rechtliches Fundament, ohne das die verschiedenen Ebenen der institutionellen Fehlkonstruktionen der Eurozone und der EU nicht erkannt und deshalb auch nicht behoben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen systematisch zusammenh\u00e4ngende, rechtlich-institutionelle und saldenmechanische Grundlagen f\u00fcr die postkeynesianische Makro\u00f6konomie schaffen. Eine systematische begriffliche Integration von BWL, VWL und Politikwissenschaften kann \u00fcber Recht, doppelte Buchhaltung und gesamtwirtschaftliche Saldenmechanik erreicht werden. Wenn wir nicht nur das neoklassische Paradigma ernsthaft herausfordern, sondern auch die europ\u00e4ische Krise auf allumfassende Art und Weise begreifen und behandeln wollen ben\u00f6tigen wir diese begriffliche Integration. Die Verkn\u00fcpfung von <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2601035\" target=\"_blank\">Legal Institutionalism<\/a> und der <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2262936\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Legal Theory of Finance (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Legal Theory of Finance<\/a> mit postkeynesianischer Makro\u00f6konomie kann mithilfe einfacher, aber pr\u00e4ziser Konzepte der doppelten Buchhaltung und der gesamtwirtschaftlichen Saldenmechanik erreicht werden.&nbsp; Am 04.04.2016 haben wir unsere Ideen hierzu auf dem <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/winir.org\/?page=past_events&amp;side=symposium_2016\" target=\"_blank\">WINIR Symposium 2016<\/a> \u00fcber Eigentumsrechte, ausgerichtet vom World Interdisciplinary Network on Institutional Research (WINIR, Globales Interdisziplin\u00e4res Netzwerk f\u00fcr Institutionelle Forschung), vorgestellt. Unsere Pr\u00e4sentationen k\u00f6nnen hier (auf Englisch) angesehen werden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Systematische rechtliche Grundlagen der Geldtheorie \u2013 ein wichtiger Schritt in Richtung eines neuen Paradigmas f\u00fcr politische \u00d6konomie<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Wolfgang Theil - WINIR Symposium &quot;Property Rights&quot;, April 4th 2016, Bristol, UK\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/D8O5-ke6tWs?list=PLyRk2yIHSNKl68kve8CufAgNc5cCOvKiy\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Warum Verm\u00f6gen keine Sachen sind, warum Kaufen nicht Bezahlen ist und warum ein neues makro\u00f6konomisches Paradigma beide mikro\u00f6konomischen Einsichten ber\u00fccksichtigen muss<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Nicolas Hofer - WINIR Symposium 2016 on Property Rights - Bristol\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/DCQ5LaferHY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Folgenden werden wir die Inhalte unserer Arbeitspapiere auf Deutsch umrei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eigentum, Freiheit und der Staat<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Eigentums- und Vertragsrecht bilden den Kern des Privatrechts. Sie garantieren pers\u00f6nliche Freiheit, institutionalisieren die essentiellen Menschenrechte der europ\u00e4ischen Zivilisation und dezentralisieren die Machtverh\u00e4ltnisse grundlegend. Eigentum und (Vertrags-)Freiheit sind die grundlegendsten Vorstellungen der europ\u00e4ischen Zivilisation, sowohl der altert\u00fcmlichen (griechisch-r\u00f6misch), als auch der modernen (europ\u00e4isch-westlich).<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Welle des modernen Liberalismus, der Eigentum und Freiheit erfocht, kam nicht von \u00d6konomen. Sie kam von liberalen Rechtsphilosophen, wie John Locke in England, Immanuel Kant in Deutschland und Jean-Jacques Rousseau in Frankreich. Das Eigentums- und Vertragsrecht st\u00fctzen sich auf die liberalen Vorstellungen von Freiheit, Gleichheit und Konsens.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch k\u00f6nnen freie B\u00fcrger das Privatrecht nur innerhalb eines \u00f6ffentlichen Rechts institutionalisieren, welches einen zentralisierten souver\u00e4nen Staat erfordert, welcher die legitime Anwendung k\u00f6rperlicher Gewalt monopolisiert, um sowohl private als auch \u00f6ffentliche Rechte und Pflichten durchsetzbar und gerade damit verl\u00e4sslich zu machen. Das \u00f6ffentliche Recht basiert jedoch nicht auf Freiheit und Gleichheit sondern auf \u00dcber-\/Unterordnung und Befehl. Diese Prinzipien stehen im direkten Gegensatz zu den Prinzipien des Privatrechts (Freiheit\/Gleichheit, Konsens, Markt). Mitten im Herzen des Rechtssystems der europ\u00e4ischen Zivilisation (bzw. des Kapitalismus), befindet sich demnach ein <strong>unausweichlicher Widerspruch zweier Grundprinzipien<\/strong>:<br>&#8211; Befehl\/Herrschaft (\u00d6ffentliches Recht, Politik) und<br>&#8211; Vertrag\/Freiheit (Privatrecht, Wirtschaft).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Jurist Johann Braun bemerkt in seiner Einf\u00fchrung in die Rechtswissenschaft dazu lapidar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;In dieser schroffen Gegen\u00fcberstellung erscheint das zweifellos als Widerspruch. in einer menschengerechten Ordnung mu\u00df es jedoch sowohl Bereiche geben, die dem freien Spiel der Kr\u00e4fte \u00fcberlassen sind, als auch andere, in denen der Wettbewerb ausgeschaltet ist. Eine solche Ordnung aber kann nur aus dem Zusammenspiel widerstreitender Ordnungsmuster entstehen.&#8220; (<a aria-label=\"Johann Braun, Einf\u00fchrung in die Rechtswissenschaft, S. 238 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=AHHO3e2hD78C&amp;lpg=PR4&amp;hl=de&amp;pg=PA238#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johann Braun, <\/a><em><a aria-label=\"Johann Braun, Einf\u00fchrung in die Rechtswissenschaft, S. 238 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=AHHO3e2hD78C&amp;lpg=PR4&amp;hl=de&amp;pg=PA238#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Einf\u00fchrung in die Rechtswissenschaft<\/a><\/em><a aria-label=\"Johann Braun, Einf\u00fchrung in die Rechtswissenschaft, S. 238 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=AHHO3e2hD78C&amp;lpg=PR4&amp;hl=de&amp;pg=PA238#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">, S. 238<\/a>).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das wichtigste &#8222;wettbewerbswidrige&#8220; Monopol des Staates auf seinem Territorium ist daher das staatliche <span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><a aria-label=\"Gewaltmonopol (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gewaltmonopol_des_Staates\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gewalt<\/a><\/strong><a aria-label=\"Gewaltmonopol (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gewaltmonopol_des_Staates\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">monopol<\/a><\/span>, das den einzelnen B\u00fcrgern Waffen und die Befugnis zur Selbstjustiz aus den H\u00e4nden nimmt und in die H\u00e4nde des Staats legt. Dieses Monopol ist dann Kern einer zivilisatorischen Ordnung, wenn der Staat selbst sich ans Recht bindet (verfassungsm\u00e4\u00dfiges Prinzip des <a aria-label=\"Rechtsstaats (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rechtsstaat\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rechtsstaats<\/a>, in D Art. 20 Abs. 3 GG, s.u.).&nbsp; Die Dezentralisierung und Privatisierung des staatlichen Gewaltmonopols (&#8222;private Sicherheitsdienste&#8220;) f\u00fchrt nicht zu einem effizienten Markt, sondern l\u00f6st die Durchsetzbarkeit gleichen Rechts f\u00fcr alle auf, was einer Aufl\u00f6sung der Zivilisation gleichkommt, da die Gleichheit vor dem Recht eine notwendige Bedingung der Zivilisation ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Wirtschaftswissenschaft hat dieser Prinzipienwiderspruch den Ausschlag f\u00fcr verschiedene Formen von Fundamentalismus gegeben. Radikale Liberale (wie z.B. Milton Friedmans Sohn David) stellten sich auf die Seite des Marktes (basierend auf dem Privatrecht, bzw. dessen Prinzipien) und gegen den Staat, den sie komplett abschaffen wollten. Radikale Sozialisten hingegen wollten das Privateigentum vollst\u00e4ndig beseitigen (die Hauptgrundlage des Privatrechts und des Marktes) und alle produktiven Aktivit\u00e4ten von einem zentralisierten Staat planen und koordinieren lassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute, 27 Jahre nach dem Zusammenbruch des staatlichen Sozialismus, haben die Marktfundamentalisten die Nase noch klar vorn, wenn auch die Finanzkrise 2007 ff. bereits wieder Gegenkr\u00e4fte mobilisiert hat. Unterschiedlichste staatliche Funktionen werden privatisiert, einige Regierungen ersetzen bereits polizeiliche Einsatzkr\u00e4fte durch verschiedene private Sicherheitsdienste, um damit Geld zu sparen, ebenso setzen staatliche Institutionen wie Krankenh\u00e4user und Universit\u00e4ten private Sicherheitsdienste ein. Der libert\u00e4r-anarcholiberale Ansatz, auch staatstragende Funktionen zu privatisieren, gef\u00e4hrdet aber in letzter Konsequenz das Recht an sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Um solchen Fundamentalismen entgegenzuwirken, m\u00fcssen \u00d6konomen (die typischerweise das Recht weitgehend ignorieren oder es zumindest in seiner Bedeutung nicht erfassen) den widerspr\u00fcchlichen Charakter des Rechtssystems (\u00d6ffentliches Recht vs. Privatrecht) verstehen lernen und sich vergegenw\u00e4rtigen wie dieser Widerspruch im Recht selbst, n\u00e4mlich durch das Verfassungsrecht, gehandhabt wird. Wir hatten schon genug \u00f6konomische Fundamentalismen, sei es Staats- oder Markt-Fundamentalismus. Ein tieferes, realistischeres Verst\u00e4ndis der rechtlichen und wirtschaftlichen Wirklichkeit der Gegenwart muss auf Fundamentalismen der einen oder anderen Art verzichten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Das Paradoxon der sichtlich widerspr\u00fcchlichen Prinzipien des dezentralisierten Privatrechts (Freiheit\/Gleichheit, Konsens, Markt) und des zentralisierten \u00f6ffentlichen Rechts (Unterwerfung, Befehlsgewalt, Staat) wurde, nach einer absolutistischen Phase der Staaten<em>bildung<\/em> (Bodin, Hobbes, Machiavelli), geschichtlich gesehen durch die Konzepte der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t (Rousseau), der Gewaltenteilung (Montesquieu) und Demokratie (ausgehend von der altert\u00fcmlichen Polis) als Grundvorstellungen des westlichen Verfassungsrechts herbeigef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Demokratische Verfassungen und &#8222;Rule of Law&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Hauptidee hinter diesen Kerninstitutionen der westlichen Zivilisation ist es, auch das \u00f6ffentliche Recht den freien B\u00fcrgern zu unterwerfen, indem die freien B\u00fcrger \u2013 Subjekte des Privatrechts \u2013 in partielle kleine Souver\u00e4ne&nbsp;verwandelt werden (\u201eVolkssouver\u00e4nit\u00e4t\u201c), die sich mithilfe des durch sie legitimierten staatlichen Gewaltmonopols selbst regieren. Als Subjekte des Privatrechts (als &#8222;bourgeois&#8220;), erschaffen B\u00fcrger gesetzlich verbindliche, vollstreckbare Rechte und Pflichten durch Vertr\u00e4ge. Als Subjekte des \u00d6ffentlichen (!) Rechts (als &#8222;citoyen&#8220;), erschaffen sie gesetzlich verbindliche, vollstreckbare Rechte und Pflichten (Gesetze) durch die \u00f6ffentliche Legislative. Dies geschieht entweder direkt oder &#8211; in repr\u00e4sentativen Demokratien &#8211; durch ein gew\u00e4hltes Parlament. In beiden F\u00e4llen sind es letztlich die freien B\u00fcrger, die das Recht setzen und kein absoluter Monarch. Die Vorstellung ist, dass die B\u00fcrger sich dem Recht unterwerfen, das sie selbst erschaffen haben, d.h. sie werdem vom \u201eRule of Law\u201c regiert, und nicht von einem absoluten Monarchen, der per \u201eGottesgnadentum\u201c regiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das \u201eRule of Law\u201c beinhaltet wichtigere Prinzipien, die &#8211; w\u00e4hrend sie sich auf das staatliche Gewaltmonopol st\u00fctzen &#8211; direkt auf die Schw\u00e4chung und Kontrolle eben dieses Monopols gerichtet sind. Die freien B\u00fcrger nutzten die alte Strategie des \u201edivide et impera\u201c gegen ihr staatliches Gewaltmonopol. In der Geschichte haben sie drei Hauptmethoden entwickelt um die monopolistische Staatsgewalt zu unterteilen oder zu trennen: die erste, wahrscheinlich am wenigsten anerkannte aber wichtigste Unterteilung, ist die <strong>Trennung<\/strong> des Bereichs des <strong>\u00f6ffentlichen Rechts<\/strong>, der sich auf Befehlsgewalt und Unterwerfung der Subjekte unter einen Souver\u00e4n st\u00fctzt, vom Bereich des <strong>Privatrechts<\/strong>, der sich auf Gleichheit und Konsens der freien B\u00fcrger st\u00fctzt. Die zweite Unterteilung ist die <strong>vertikale Gewaltenteilung<\/strong> \u2013 der F\u00f6deralismus. Die Macht der zentralisierten Regierung ist auf eine Anzahl vertikaler Ebenen unterteilt, typischerweise die f\u00f6derale Ebene (Bundesebene), die staatliche Ebene (Landesebene) und die Ebene der Gemeinden (Kommunale Ebene), von der jede eine eigene gew\u00e4hlte Regierung bildet. Die dritte und wohl bekannteste Unterteilung, ist die <strong>horizontale Gewaltenteilung<\/strong> innerhalb jeder einzelnen f\u00f6deralen Ebene, zwischen der legislativen, exekutiven und judikativen Regierungsgewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede dieser Ma\u00dfnahmen teilt die monopolisierte Gewalt eines zentralisierten (f\u00f6deralen) Staates und schw\u00e4cht sie somit \u2013 w\u00e4hrend ein Gewaltmonopol aber in Bezug auf bestimte Kernbereiche dennoch weiterexistiert.  Nur ein zentrales Gewaltmonopol kann das Privatrecht auf dieselbe Art und Weise f\u00fcr alle B\u00fcrger garantieren und durchsetzen. Nur ein <em>prinzipiell<\/em> <em>vorhandenes<\/em> zentrales Gewaltmonopol <em>kann<\/em> <em>geteilt&nbsp;<\/em>werden, ohne den inneren Zusammenhalt, den ein vereinter f\u00f6deraler Staat im Interesse der \u00d6ffentlichkeit bieten muss, zu verlieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier tritt also eine weitere Dialektik zutage, n\u00e4mlich diejenige zwischen einer vereinten Macht und einer getrennten Macht. Beide Prinzipien widersprechen einander, aber durch diesen Widerspruch kreieren sie eine Dynamik, die verschw\u00e4nde, sobald einer dieser Pole dieses Widerspruchs eliminiert w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Edmund Burke hat die Schwierigkeit, die mit der erfolgreichen Bildung einer solch widerspr\u00fcchlichen Struktur einhergeht, mit folgenden Worten trefflich beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cUm eine Regierung zu bilden, bedarf es keiner gro\u00dfen Klugheit. Bestimme ein Machtzentrum, bringe Gehorsam bei, und die Tat ist vollbracht. Freiheit zu geben ist noch einfacher. Es ist nicht n\u00f6tig, zu lenken; es ist nur n\u00f6tig, die Z\u00fcgel loszulassen. <span style=\"text-decoration: underline;\">Aber eine freie Regierung zu bilden, das hei\u00dft, diese <strong>gegens\u00e4tzlichen Elemente der Freiheit und der Ma\u00dfregelung<\/strong> auf stimmige Art und Weise zusammenzuf\u00fcgen<\/span>, bedarf vieler Gedanken, tiefgreifender \u00dcberlegungen und eines scharfsinnigen, m\u00e4chtigen und kombinierenden Verstandes.\u201d (Edmund Burke, \u201eBetrachtungen \u00fcber die Franz\u00f6sische Revolution\u201c, 1790, unsere Hervorh.)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Vor diese Probleme der Staatsbildung sind s\u00e4mtliche sog. &#8222;Entwicklungsl\u00e4nder&#8220;, die versuchen dem westlichen Modell nachzueifern, genauso gestellt wie auch Europa als Ganzes. Auf dem europ\u00e4ischen Kontinent gibt es zwar ein seit dem 2. Weltkrieg verfolgtes europ\u00e4isches Einigungsprojekt von Staaten, die, mit einigen Ausnahmen, einzeln als zuverl\u00e4ssig funktionierende Staaten bezeichnet werden k\u00f6nnen, <strong>die EU<\/strong> selbst jedoch <strong>ist bisher kein Staat, <\/strong>sondern lediglich ein enger Staatenbund (Staatenverbund), der die Macht souver\u00e4ner Entscheidungen in existenziellen Fragen bei den Mitgliedsstaaten bel\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sind die verschiedenen <em>ent<\/em>stehenden und heute <em>be<\/em>stehenden Staaten mit diesem Problem der Staatsbildung umgegangen? Wie haben diese Staaten sich entwickelt? Warum (und wie) haben einige von ihnen eine \u201eliberale Demokratie\u201c ausgebildet, w\u00e4hrend andere in Diktaturen oder korrupten Zwischenl\u00f6sungen endeten?<\/p>\n\n\n\n<p>Francis Fukuyama stellt diese Fragen in seinen B\u00fcchern &#8222;<a href=\"https:\/\/books.google.it\/books?id=CvN0ihQi--wC&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Origins of Political  (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Origins of Political <\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Origins of Political Order (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.it\/books\/about\/The_Origins_of_Political_Order.html?id=eyEONn0WUmMC&amp;redir_esc=y\" target=\"_blank\">Order<\/a>&#8220; (2011) und &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=j6hzAwAAQBAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=fukuyama+origins+of+political+order&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q=fukuyama%20origins%20of%20political%20order&amp;f=false\" target=\"_blank\">Political <\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Order and Political Decay (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.it\/books?id=Rj-eAwAAQBAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=fukuyama+decay+political+order&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwi76ZiwlKHkAhVHDewKHdItCTEQ6AEIKzAA#v=onepage&amp;q=fukuyama%20decay%20political%20order&amp;f=false\" target=\"_blank\">Order and Political Decay<\/a>&#8220; (2014), und pr\u00e4sentiert eine historisch vergleichende Abhandlung \u00fcber Staatsbildung, beginnend im antiken China. Merkw\u00fcrdigerweise l\u00e4sst er die antike griechische Polis und die r\u00f6mische Civitas, die Urspr\u00fcnge der westlichen Zivilisation und damit ihre grundlegenden Ideen \u00fcber Eigentum, Freiheit, Demokratie und Rule of Law, v\u00f6llig aus. Ebenso l\u00e4sst er eine Analyse der europ\u00e4ischen Versuche zur Unionsbildung aus, was schade ist, da Fukuyamas vergleichende Herangehensweise Klarheit in den Zustand des europ\u00e4ischen Einigungsprojektes bringen k\u00f6nnte. Durch den vergleichenden Ansatz k\u00f6nnte eine realistischere Perspektive enstehen, die die derzeitige \u00f6ffentliche Debatte um die EU als oberfl\u00e4chlich entlarven w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Fukuyama scheut sich allerdings nicht davor, seine Erkenntnisse offen darzulegen: (1) \u201eKrieg erschuf den Staat, und der Staat erschuf Krieg\u201c, ist das ern\u00fcchternde Resultat, das eine vergleichende geschichtliche Untersuchung in den meisten F\u00e4llen zeitigt. Seine vergleichende Geschichte der Staatsbildung zeigt au\u00dferdem, dass (2) in den meisten F\u00e4llen ein starkes staatliches Gewaltmonopol nur dann geteilt und demokratisiert werden konnte, wenn es zuvor als ein (absolutistisches) Monopol gebildet worden war. Letztlich stellt Fukuyama dar (3), dass das Staatsprinzip (zentralisierter Zwang) mit dem Prinzip der Verwandtschaft und Familienbeziehungen konkurriert. Einerseits untergr\u00e4bt es familienbezogene Gegenseitigkeit und Solidarit\u00e4t, andererseits ist der Staat der immerw\u00e4hrenden Gefahr ausgesetzt, repatrimonialisiert, d.h. durch klientelistische Netzwerke der Beg\u00fcnstigung und&nbsp;Verwandtschaft korrumpiert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Fukuyama zeigt dies vergleichend und detailliert anhand der Geschichte verschiedener Staaten, einschlie\u00dflich des antiken Chinas, des modernen Preu\u00dfens und der Vereinigten Staaten von Amerika. Interessanterweise stellt Fukuyama fest, dass die USA in ihrer Fr\u00fchphase beim Aufbau unpers\u00f6nlich-verl\u00e4\u00dflicher, unkorrupter Staats- und Rechtsinstitutionen <a aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.it\/books?id=Rj-eAwAAQBAJ&amp;lpg=PP1&amp;dq=fukuyama%20decay%20political%20order&amp;hl=de&amp;pg=PT149#v=onepage&amp;q=fukuyama%20decay%20political%20order&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">nicht sonderlich erfolgreich waren<\/a>. Fukuyama zufolge f\u00fchrte die schnelle Bildung einer <em>demokratischen<\/em> F\u00f6deration zu einem klientelistischen politischen System, das sp\u00e4ter nur schwer zu \u00fcberwinden war. Erst w\u00e4hrend der Progressive Era konnten die USA dies laut Fukuyama bis zu einem gewissen Punkt nachholen und der politische Progressivismus in den USA des sp\u00e4ten 19. und Beginnenden 20. Jahrhunderts hat sicher viel f\u00fcr die Erschaffung eines verl\u00e4sslicheren staatlichen und politischen Systems getan. Allerdings sind Fukuyamas Ansicht nach <a aria-label=\"Patriamonialismus und Klientelismus in den USA in gro\u00dfem Stil zur\u00fcckg (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.it\/books?id=Rj-eAwAAQBAJ&amp;lpg=PP1&amp;dq=fukuyama%20decay%20political%20order&amp;hl=de&amp;pg=PT510#v=onepage&amp;q=fukuyama%20decay%20political%20order&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Patriamonialismus und Klientelismus in den USA in gro\u00dfem Stil zur\u00fcckg<\/a><a aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=j6hzAwAAQBAJ&amp;lpg=PP1&amp;hl=de&amp;pg=PT446#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ekehrt<\/a>, und zwar vor allem in Form des Wall-Street-Lobbyismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann die Art, wie die amerikanische F\u00f6deration in den Jahren vor der Verfassung von 1787 gebildet wurde, ein Modell sein, von dem Europ\u00e4er f\u00fcr ihr Einigungsprojekt lernen k\u00f6nnen? Jedenfalls sind die USA eines der wenigen Beispiele in der Geschichte, wo ein f\u00f6deraler Bundesstaat auf demokratische Weise gebildet wurde, etwas, wonach auch die Europ\u00e4er streben. Die meisten erfolgreichen Versuche der Bundesstaatsbildung waren in der Geschichte despotisch \u2013 Asien und auch <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=j6hzAwAAQBAJ&amp;lpg=PP1&amp;hl=de&amp;pg=PA66#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Preu\u00dfen<\/a> befinden sich unter Fukuyamas eindr\u00fccklichsten Beispielen. Europ\u00e4er werden auf die vergleichende Geschichte der Staatsbildung schauen m\u00fcssen, wenn sie eine vern\u00fcnftige L\u00f6sung heraus aus der Sackgasse, in die sich die EU und die Eurozone hineinman\u00f6vriert haben, finden wollen. Ohne vergleichende Staatsbildungsgeschichte wird es wohl schwer die Oberfl\u00e4chlichkeit zu \u00fcberwinden, \u00fcber welche die \u00f6ffentliche Debatte um die EU und ihre weitere Entwicklung bisher nicht hinaus gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen ein grundlegendes Problem auch darin, dass die <a aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/stephan.schulmeister.wifo.ac.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/EuroabwicklungDerFinaleSchrittInDenWirtschaftskrieg.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">EU seit 1992<\/a> <a aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/stephan.schulmeister.wifo.ac.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/EuroabwicklungDerFinaleSchrittInDenWirtschaftskrieg.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">auf einem falschen Pfad<\/a> ist. Die zentrifugalen Kr\u00e4fte in der Union sind Ergebnis der schwelenden Deflation, welche wiederum u.a. auch eine Folge der vorangegangenen und weiter zunehmenden Verm\u00f6gensverteilung von unten nach oben ist, die ihrerseits wiederum Ergebnis wirtschafts- und steuerpolitischer Entscheidungen ist. Falsche Wirtschaftstheorien dienen dabei der scheinbaren Legitimation dieser Politik. In krassem Gegensatz zu den urspr\u00fcnglichen Zielen der Europ\u00e4er f\u00fcr ihren Zusammenschluss, wird diese Politik von politischen Entscheidungstr\u00e4gern und der Mehrheit der Europ\u00e4er f\u00fcr &#8222;alternativlos&#8220; erachtet. Zu dieser &#8222;Alternativlosigkeit&#8220; scheint im Augenblick die einzig wahrgenommene Alternative die komplette Aufl\u00f6sung der Union zu sein, ohne jedoch einen vern\u00fcnftigen Plan zu haben wie man sich nach so einer befreienden Ma\u00dfnahme sinnvoll weiterbewegen soll (was nicht zuletzt auch die j\u00fcngsten Ereignisse nach dem Brexit in Gro\u00dfbritannien nahelegen).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem sehen wir in der Tatsache, dass die Union viel zu schnell gewachsen ist, auf (noch) 28 Mitgliedsstaaten. Der W\u00e4hrungsunion wurde dabei der Vorrang vor der Bildung eines gemeinsamen (f\u00f6deralen) Staates mit gemeinsamem Recht gegeben. Ohne &#8222;Rechtsunion&#8220;, d.h. gemeinsames \u00d6ffentliches Recht und gemeinsames Privatrecht, k\u00f6nnen jedoch <span style=\"text-decoration: underline;\">quantitativ<\/span> gleiche Rechte (z.B. zwei Forderungen gleicher Laufzeit und gleichen Nennbetrags) in unterschiedlichen Jurisdiktionen unterschiedlich in ihrer Wirkung, d.h. in ihrer <span style=\"text-decoration: underline;\">Qualit\u00e4t<\/span>, sein. Gemeinsames <em>gelebtes<\/em> und nicht blo\u00df gemeinsames <em>geschriebenes<\/em> Recht w\u00fcrde (gemeinsame) Verwaltungsstrukturen erfordern, die sich auf einem \u00e4hnlichen Niveau der Zuverl\u00e4ssigkeit und Unbestechlichkeit befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also sowohl Probleme in der Wirtschaftspolitik als auch in der Strategie des europ\u00e4ischen Einigungsprojektes. Beide Herausforderungen m\u00fcssen gemeinsam angegangen werden. Das kann aus unserer Sicht nur durch eine systematische Zusammenarbeit von monet\u00e4ren Makro\u00f6konomen, Juristen, Politikwissenschaftler (wie z.B. Fukuyama) und Historikern erreicht werden. Die Grundlage einer solchen Zusammenarbeit ist ein m\u00f6glichst genaues Verst\u00e4ndnis der Beziehungen zwischen Familie, Staat, Recht, und des Finanzsystems: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und ihre paradoxen Beziehungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ziel ist es, Menschen dieser Disziplinen zusammenzubringen, um an einem besseren, realistischeren Plan f\u00fcr eine Vorw\u00e4rtsbewegung der europ\u00e4ischen Integration, basierend auf einem gemeinsamen Paradigma, das sich auf das Recht st\u00fctzt, genauer auf die Verbindung von Recht, Rechnungslegung, Finanzierung und Marko\u00f6konomie (hier sind St\u00fctzels Saldenmechanik und postkeynesianische monet\u00e4re Makro\u00f6konomie wichtige Elemente). Ein zus\u00e4tzliches verbindendes Element ist die vergleichende Geschichte. Eine integrative Perspektive auf die europ\u00e4ische Zivilisation wird hier ben\u00f6tigt und die systematische Verbindung von Recht, Rechnungslegung und Makro\u00f6konomie kann diese erm\u00f6glichen. Wir m\u00fcssen die Isolation der einzelnen Disziplinen \u00fcberwinden, wenn die riesigen Herausforderungen, denen Europa gegen\u00fcbersteht, angegangen werden sollen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie uns diese Verbindung von Recht, doppelter (betriebswirtschaftlicher) und vierfacher (volkswirtschaftlicher) Buchhaltung und monet\u00e4rer Makro\u00f6konomie etwas genauer ansehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaft, Politik und Politische \u00d6konomie <em>made in Law<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Wirtschaft und Finanzierung st\u00fctzen sich auf die dialektische Beziehung zwischen \u00d6ffentlichem Recht und Privatrecht. Jeder Bilanzeintrag ist ein Recht, vollstreckbar durch einen souver\u00e4nen Staat: jedes &#8222;Sach-&#8220; oder &#8222;Realverm\u00f6gen&#8220; repr\u00e4sentiert ein Eigentumsrecht (Rechtsobjekt 2. Ordnung) in Bezug auf eine Sache (Rechtsobjekt 1. Ordnung), jedes &#8222;Finanzverm\u00f6gen&#8220; ist entweder ein vertraglicher Anspruch (Privatrecht) oder ein gesetzlicher Anspruch (\u00d6ffentliches Recht, z.B.: Steuerrecht).  Das gilt f\u00fcr die den Anspr\u00fcchen entsprechenden Verpflichtungen genauso: Anspr\u00fcche (Forderungen) werden auf der Aktivseite von Bilanzen verbucht, Verpflichtungen (Verbindlichkeiten) auf der Passivseite (Anmerkung f\u00fcr Nicht-Buchhalter: &#8222;aktiv&#8220; und &#8222;passiv&#8220; stehen dabei f\u00fcr wenig anderes als &#8222;links&#8220; und &#8222;rechts&#8220;; man k\u00f6nnte die &#8222;Aktivseite&#8220; also schadlos die &#8222;linke Seite der Bilanz&#8220; und die &#8222;Passivseite&#8220; die &#8222;rechte Seite der Bilanz nennen). Nur die Vollstreckbarkeit durch eine staatliche Institution verwandelt Bilanzeintr\u00e4ge auf der Aktivseite in potenziell fungible Verm\u00f6genswerte. Ein Beispiel: ohne erwartbare Vollstreckbarkeit k\u00f6nnen Forderungen nicht abgetreten werden, weil nicht einklagbare Forderungen gegen einen weitgehend unbekannten Dritten kaum akzeptiert w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus rechtlicher Perspektive werden in der Rechnungslegung B\u00fccher nicht \u00fcber die Werte von Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nden und Schulden gef\u00fchrt, sondern \u00fcber <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>vollstreckbare Verm\u00f6gensrechte und Pflichten<\/em><\/span>: Materielle (Sachverm\u00f6gen) und immaterielle Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde (z.B. Markenrechte, Patente oder Firmenwerte) sind <em><span style=\"text-decoration: underline;\">Eigentumsrechte<\/span><\/em>, Forderungen sind <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Anspr\u00fcche<\/em><\/span> gegen\u00fcber anderen Rechtspersonen, und Schulden sind <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Pflichten<\/em><\/span> gegen\u00fcber anderen Rechtspersonen. Die Bezeichnung \u201eSachverm\u00f6gen\u201c beinhaltet eine Verwechslung von Eigentumsrechten und Besitzrechten: Was gemeinhin als \u201eSachverm\u00f6gen\u201c bezeichnet wird, ist tats\u00e4chlich ein Eigentumsrecht, das ein Ausschlu\u00dfrecht eines Einzelnen gegen\u00fcber allen anderen ist, einschlie\u00dflich des Staats. Dieses Recht, kann eine Rechtsperson innehaben, ohne unmittelbare k\u00f6rperliche Kontrolle \u00fcber die materielle Sache zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir zum Beispiel den Fall eines vermieteten Hauses: Es ist kein Sachverm\u00f6gen f\u00fcr den Mieter, sondern f\u00fcr den Eigent\u00fcmer. Aber der Mieter be<em>sitzt<\/em> das Haus, d.h. hat die tats\u00e4chliche physische Kontrolle \u00fcber das Haus, <em>sitzt<\/em> mithin im Haus. Der Eigent\u00fcmer verf\u00fcgt also \u00fcber das Sachverm\u00f6gen (Eigentumsrecht), aber nicht \u00fcber das Haus an sich (Besitz), weil er das Besitz- und Nutzungsrecht auf den Mieter per Mietvertrag \u00fcbertragen hat. Das Eigentumsrecht aber bleibt beim Vermieter und somit auch das Sachverm\u00f6gen: nur der Vermieter (d.h. der Eigent\u00fcmer) kann das Haus als Verm\u00f6gensgegenstand auf der Aktivseite seiner Bilanz f\u00fchren und rechtm\u00e4\u00dfig verkaufen oder als Kreditsicherheit einsetzen. Dem Mieter (d.h. dem Besitzer) stehen diese M\u00f6glichkeiten nicht offen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kein Staat, kein Gesetz; kein Gesetz, kein Markt; kein Markt, keine Innovation (\u201cModernisierung\u201d)<\/h2>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeit Eigentumsrechte auf andere B\u00fcrger auch unabh\u00e4ngig vom unmittelbaren Besitz des Objektes zu \u00fcbertragen fehlt bei vor-staatlichen oder schwach-staatlichen Gesellschaften, die noch kein verl\u00e4ssliches Privatrecht institutionalisiert haben. Ohne ein verl\u00e4ssliches staatliches Gewaltmonopol und eine verl\u00e4ssliche staatliche Verwaltung, die per \u00d6ffentlichem Recht erfolgt, kann ein verl\u00e4ssliches Privatrecht aber gar nicht erst entstehen. Wie der Rechtsanthropologe und Historiker William Seagle es ausdr\u00fcckt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cDas Konzept des \u201eBesitzes\u201c im Gegensatz zum Eigentum eignet sich viel mehr, um primitive Institutionen zu beschreiben \u2026 bis die Erschaffung von Rechtsanspr\u00fcchen allt\u00e4glich wird, ist kein Eigentumsrecht n\u00f6tig. (\u2026) Mehr Beachtung geschenkt werden sollte der Tatsache, dass ein nichtbesitzender Eigent\u00fcmer in den meisten primitiven Gesellschaften unbekannt ist. Der Eigent\u00fcmer ist auch der Besitzer. Besitz ist das gesamte Gesetz.\u201d&nbsp; (William Seagle, \u201eThe Quest For Law\u201c (\u201eWeltgeschichte des Rechts\u201c), 1941, 51-52; 55).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Effiziente M\u00e4rkte entstehen nicht durch Magie von selbst, auch nicht durch laissez-faire \u201eSelbstorganisation\u201c, wenn s\u00e4mtliche Einschr\u00e4nkungen durch Regierungen nur endlich aufgehoben worden sind.&nbsp;Ganz im Gegenteil: ohne einen (starken) Staat, der gewillt und imstande dazu ist, seinen B\u00fcrgern Eigentums- und Vertragsrechte auf verl\u00e4ssliche Art und Weise einzur\u00e4umen (und diese im Zweifelsfalle auch durchzusetzen), werden keine effizienten M\u00e4rkte, sondern schlichtweg Chaos entstehen, wie Russland, das in den 1990ern westlicher neoliberaler Ideologie zum Opfer gefallen war, auf schmerzhafte Art und Weise erfahren musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Francis Fukuyama schreibt \u00fcber solche \u201eStaatenlosigkeitsfantasien\u201c, an die nicht nur von Anarcholiberalen wie Milton Friedmans Sohn David Friedman geglaubt wurde, sondern auch von marxistischen Romantikern:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201c\u2026 die Vorstellungen einer minimalistischen Gesellschaft ohne Regierung, die sowohl von rechten als auch linken Tr\u00e4umern ersonnen wurden, sind keine blo\u00dfen Fantasien: sie existieren tats\u00e4chlich in den modernen Entwicklungsl\u00e4ndern. Gro\u00dfe Teile Afrikas s\u00fcdlich der Sahara sind ein Paradies f\u00fcr Libert\u00e4re\u2026 Politische Institutionen sind notwendig und k\u00f6nnen nicht als gegeben angenommen werden. Eine Marktwirtschaft und gro\u00dfer Wohlstand entstehen nicht auf magische Art und Weise, wenn \u201edie Regierung beseitigt wird\u201c; sie st\u00fctzen sich beide auf eine versteckte institutionelle Grundlage aus Eigentumsrechten, Rule of Law und einer politischen Grundordnung. Ein freier Markt, eine lebhafte Zivilgesellschaft und kollektive Intelligenz sind alles wichtige Komponenten einer funktionierenden Demokratie, aber letztlich kann keine davon die Funktionen einer starken, hierarchischen Regierung ersetzen.\u201c (Francis Fukuyama, \u201cOrigins of Political Order\u201d, 2011, 13-14)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In zwei gro\u00dfen B\u00e4nden,&nbsp;die eine breite, geschichtlich vergleichende Analyse der Staatenbildung beinhalten, erforscht Fukuyama die Frage wie Staaten historisch \u00fcberhaupt entstanden sind und schlussfolgert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201c<span style=\"text-decoration: underline;\">Einige der erfolgreichsten heutigen Staaten entstanden unter autorit\u00e4ren Bedingungen, oft in L\u00e4ndern, die starke nationale Sicherheitsbedrohungen erlebten<\/span>. Dies ist der Fall im antiken China, Preu\u00dfen\/Deutschland, dem heutigen Japan und einer Handvoll anderer L\u00e4nder. Im Gegensatz dazu steht der Fall, dass <span style=\"text-decoration: underline;\">wenn eine Demokratie vor der Festigung eines modernen Staatswesens eingef\u00fchrt wird, dies oft den Effekt hat, dass die Regierungsqualit\u00e4t geschw\u00e4cht wird<\/span>. Das Hauptbeispiel daf\u00fcr sind die Vereinigten Staaten, die mit dem Start in die Demokratie in den 1820ern den klientelistischen Parteienstaat erfanden und danach von einer Vetternwirtschafts-B\u00fcrokratie bis weit in das n\u00e4chste Jahrhundert hinein unterjocht waren. Das entspricht der Geschichte Griechenlands und Italiens, die beide ausgekl\u00fcgelte klientelistische Systeme entwickelten, die das Wachstum einer modernen staatlichen Verwaltung behinderten. Der Klientelismus bleibt allgegenw\u00e4rtig in den demokratischen L\u00e4ndern der sich entwickelnden Welt und untergr\u00e4bt die Regierungsqualit\u00e4t von Indien und Mexiko bis Kenya und den Philippinen.\u201c (Francis Fukuyama, \u201cPolitical Order and Political Decay\u201d (\u201ePolitische Ordnung und Politischer Verfall\u201c), 2014, 508)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heterodoxe Geldtheorie: Fehlen von systematischen Rechts- und Institutionsgrundlagen<\/h2>\n\n\n\n<p>Heterodoxe postkeynesianische Geldtheoretiker haben bisher diese Rechtsvoraussetzungen entweder einfach als gegeben hingenommen oder haben nur teilweise und unsystematisch entweder den Privatrechts-Aspekt (Heinsohn\/Steigers&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Ownership Economics (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=CLf0d-vCMUMC&amp;pg=PR19&amp;dq=ownership+economics+heinsohn&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwjv4JfWmYHLAhXBtQ8KHRsxCNwQ6AEIKTAA#v=onepage&amp;q=ownership%20economics%20heinsohn&amp;f=false\" target=\"_blank\">Ownership Economics<\/a>) oder den Aspekt des \u00d6ffentlichen Rechts (Chartalists, Wrays&nbsp;<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=pqGkCgAAQBAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=modern+money+theory&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwimmfPdmYHLAhVD-g4KHcdsA7UQ6AEIMjAA#v=onepage&amp;q=modern%20money%20theory&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Modern Monetary Theory (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Modern Monetary Theory<\/a>) betrachtet. Dieses komplette Fehlen von Rechts- und Institutionengrundlagen k\u00f6nnte sehr wohl einer der wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr die anhaltende paradigmatische Selbstausgrenzung im Angesicht der hegemonialen neoklassischen \u00d6konomie sein, welche empirisch nichts \u00fcber Geld, Kredit und finanzielle Krisen zu sagen hat, wie diesem Zitat von Frank Hahn zu entnehmen ist:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, die die blo\u00dfe Existenz des Geldes f\u00fcr den Theoretiker darstellt, ist diese: das am besten entwickelte (neoklassische, d.A.) Wirtschaftsmodell kann keinen Raum daf\u00fcr finden.\u201c (Frank Hahn, \u201cMoney and Inflation\u201d, 1981, 1)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Friedrich August von Hayek f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cEs ist ein Widerspruch in sich selbst, einen Prozess zu diskutieren, der ohne Geld zugegebenerma\u00dfen nicht vonstatten gehen k\u00f6nnte, und zur gleichen Zeit anzunehmen, dass Geld nicht vorhanden sei oder keine Wirkung h\u00e4tte.\u201c&nbsp;(Friedrich A.&nbsp;<a href=\"http:\/\/cruel.org\/econthought\/profiles\/hayek.html\">von Hayek<\/a>, \u201cPure Theory of Capital\u201c, 1941, 31)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Klare Beschreibungen der rechtlichen Grundlagen der Wirtschaft sind in der Geschichte der politischen \u00d6konomie und Volkswirtschaftslehre schwer zu finden, wurden aber z.B. von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Henry Dunning MacLeod (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/archive.org\/details\/theorycredit00maclgoog\/page\/n10\" target=\"_blank\">Henry Dunning MacLeod<\/a> im 19. Jahrhundert sowie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Rudolf Kaulla (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/festschriftfrl00bren#page\/296\/mode\/2up\" target=\"_blank\">Rudolf Kaulla<\/a>, <a href=\"http:\/\/babel.hathitrust.org\/cgi\/pt?id=mdp.49015000887415;view=1up;seq=408\">J<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"ohn R. Commons (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/babel.hathitrust.org\/cgi\/pt?id=mdp.49015000887415;view=1up;seq=408\" target=\"_blank\">ohn R. Commons<\/a> und der sozialrechtlichen Schule der deutschen \u00d6konomie (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Fritz Berolzheimer (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/archive.org\/details\/systemderrechts03berogoog\/page\/n8\" target=\"_blank\">Fritz Berolzheimer<\/a>, Karl Diehl, Rudolf Stammler u.a.) in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts versucht. Diese einfachen Einsichten werden nun von der \u201c<a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2262936\">Legal Theory of <\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Finance (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2262936\" target=\"_blank\">Finance<\/a>\u201d und dem \u201c<a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2601035\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Legal Institutionalism (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Legal Institutionalism<\/a>\u201d wiederentdeckt, die nun damit beginnen, dies mit <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Geldtheoretikern (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/modernmoneynetwork.org\/content\/money-hierarchical-system\" target=\"_blank\">Geldtheoretikern<\/a> und mit <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Wissenschaftlern anderer Disziplinen (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/winir.org\/?page=past_events&amp;side=symposium_2016&amp;sub=venue\" target=\"_blank\">Wissenschaftlern anderer Disziplinen<\/a> zu diskutieren. Zwei japanische Autoren <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/aries.sanken.keio.ac.jp\/publication\/KEO-dp\/109\/DP109.pdf\" target=\"_blank\">nehmen nun die Urspr\u00fcnge der doppelten Buchf\u00fchrung im R\u00f6mischen Recht eindeutig wahr,<\/a> konzentrieren sich dabei jedoch ausschlie\u00dflich auf das Privatrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur markt- oder staatsfundamentalistischen Ideologie der \u00c4ra des Kalten Krieges ist das zutage tretende System ein <span style=\"text-decoration: underline;\">Hybrid<\/span> und basiert auf sich diametral widersprechenden Prinzipien (privater Konsens\/\u00f6ffentlicher Befehl und pers\u00f6nliche Freiheit\/\u00f6ffentliche Unterordnung): wir nennen dies die <strong>Dialektik des Rechts<\/strong>. Eigentums- und Vertragsrecht, die auf den Prinzipien des Privatrechts basieren, f\u00fchren zu Kreditbeziehungen zwischen freien B\u00fcrgern, die die einfachen Beziehungen des G\u00fcter- oder Gabentauschs (&#8222;positive Reziprozit\u00e4t&#8220;) zwischen Familienangeh\u00f6rigen oder den betr\u00fcgerischen Tausch zwischen Fremden (&#8222;negative Reziprozit\u00e4t&#8220;) in gesetzlich vollstreckbare, kreditbasierte Gesch\u00e4ftsbeziehungen verwandeln: die westliche Zivilisation insgesamt ist folglich &#8222;made in law&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Inh\u00e4rente Kreditinstabilit\u00e4t, der Staat-Markt-Zyklus und die Teil-Ganzes-Dialektik<\/h2>\n\n\n\n<p>Kreditbasierte M\u00e4rkte sind <a aria-label=\"an sich instabil (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.perrymehrling.com\/2015\/06\/why-is-money-difficult\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">an sich instabil<\/a>, weil vertragliche Forderungsrechte nominal fixiert sind, w\u00e4hrend Eigentumsrechte im Hinblick auf erwartete zuk\u00fcnftige Ertr\u00e4ge st\u00e4ndig neu bewertet werden. Die hieraus resultierende Instabilit\u00e4t im &#8218;web of contracts&#8216; beschreibt z.B. Axel Leijonhufvud in einem Vortrag, den wir am Ende eines <a href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=906&amp;lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ausf\u00fchrlicheren (englischsprachigen) Blogartikels zum Thema<\/a> verlinken.  Im Rahmen der resultierenden Kreisl\u00e4ufe von Kredit-Expansion (Boom) und -Kontraktion (Bust\/Finanzkrise), pendelt das hybride System nicht zur zwischen Inflation und Deflation, sondern auch zwischen zwei institutionellen Polen: dem Prinzip Markt\/Privatrecht\/Vertrag\/Freiheit (Deregulierung) auf der einen und dem Prinzip Staat\/\u00d6ffentliches Recht\/Gesetz\/Herrschaft (Regulierung) auf der anderen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p><a aria-label=\"Stephan Schulmeister (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/Real-_Finanzkapitalismus_11_13.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stephan Schulmeister<\/a>&nbsp;und <a aria-label=\"George Soros (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=qxkiYul2wgoC&amp;lpg=PP1&amp;hl=de&amp;pg=PA85#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">George Soros<\/a> beschreiben dieses Pendeln detaillierter: Die Vorherrschaft der M\u00e4rkte w\u00e4hrend der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wurde abgel\u00f6st von einem starken Trend hin zu einer Vorherrschaft der Prinzipien des \u00d6ffentlichen Rechts. Zu nennen sind der New Deal in den USA, das Aufkommen des Faschismus in Europa und die Keynesianische Epoche nach dem 2. Weltkrieg, die bis zum Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahre 1971 andauerte. Danach, mit der monetaristischen Attacke Milton Friedmans auf den Keynesianismus, begann eine Pendelbewegung &#8222;zur\u00fcck&#8220; zur Vorherrschaft von Markt und Privatrechtsprinzipien, welche bis zur sog. &#8222;Finanzkrise&#8220; im Jahr 2008 f\u00fchrte. Am Horizont ist eine weitere Pendelbewegung, wieder mehr auf die staatliche Seite hin, deutlich zu erkennen. Es werden Schw\u00e4chen in staatlichen Strukturen wieder als eine Ursache internationaler Probleme erkannt, weshalb nun erneut der Ruf nach \u201e<a aria-label=\"Institutionen (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/winir.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Institutionen<\/a>&#8220; und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PRyd6nIo9N8\">Staatsbildung<\/a> ert\u00f6nt. [Nachtrag 9 Jahre sp\u00e4ter:  dieser Trend ist nun weiter fortgeschritten als noch 2016: in den USA gibt es nun erstmals in deren Geschichte auch  verfassungsgef\u00e4hrdende Versuche, rechtsstaatliche Prinzipien (rule of law) zugunsten autorit\u00e4rer Herrschaft des Pr\u00e4sidenten zur\u00fcckzudr\u00e4ngen (Trump). <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Modezyklen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften<\/h2>\n\n\n\n<p>Den hybriden und zugleich widerspr\u00fcchlichen \u2013 und somit dialektischen \u2013 Charakter der Grundstrukturen der westlichen Zivilisation \u2013 Privatrecht\/Markt\/Business vs. \u00d6ffentliches Recht\/Staat\/Politik &#8211; zu erkennen, ist sehr hilfreich, um die verschiedenen Prinzipien zu verstehen, denen individuelle Gesch\u00e4ftsstrategien einerseits und die Wirtschaftspolitik andererseits folgen m\u00fcssen. Wenn zudem die Zentralbank als die Verk\u00f6rperung der Dialektik und damit als die zwischen privater und \u00f6ffentlicher Kreditgeldsch\u00f6pfung vermittelnde Institution erkannt wird, dann wird klar, dass die jeweils angewandte Wirtschaftspolitik Ergebnis des \u00f6ffentlichen politischen Prozesses ist und daher niemals &#8222;alternativlos&#8220; sein kann. So wird auf einfache Art und Weise deutlich, dass private Interessengruppen Wirtschaftstheorien als rhetorische Waffen benutzen, um Diskurshoheit und damit Macht \u00fcber die (Wirtschafts-)Politik der Regierungen aus\u00fcben zu k\u00f6nnen, indem die \u00f6ffentliche Meinung durch Kampagnen und die Politiker durch Lobbyarbeit entsprechend beeinflusst werden. Diese Einsicht wiederum hilft die Modezyklen in der Wirtschaftstheorie verstehen: von klassicher \u00d6konomie (bis ca. 1867) zum Marxismus (ab 1867 \u2013 ca. 1900), zu neoklassischer \u00d6konomie (ca. 1900 &#8211; 1936), zum Keynesianismus (ca. 1936 \u2013 1975) zur\u00fcck zur neoklassichen \u00d6konomie (ca. 1975 bis heute), hin zu \u2026 etwas, das sich derzeit in der Entwicklung befindet.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cDie Wissenschaft von der Wirtschaft war schon oft in der Krise. Vor allem immer dann, wenn sie wegen unbefriedigend empfundener gesamtwirtschaftlicher Entwicklungen zu Rate gezogen wurde. Triumphe feierte sie dagegen immer, wenn sie den \u201eBeweis\u201c daf\u00fcr erbrachte, dass das, was vorherrschende \u00f6ffentliche Meinung ohnehin war, eine zutreffende Beschreibung der erlebbaren Wirtschaftswirklichkeit sei. Wenn also die Wirtschaftswissenschaft wie andere Wissenschaften eine Magd ist, dann hat sie nicht die Fackel vorangetragen, damit sich die Wirtschaft in ihrem Licht orientieren konnte, sondern umgekehrt: Sie hat die \u201eKonditionals\u00e4tze\u201c geliefert, die es der Mehrheit in der Gesellschaft erlaubte, was sie ohnehin tat, als vern\u00fcnftig zu begreifen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Wirtschaftswissenschaft war in diesem Sinne bislang immer \u201epolitische\u201c \u00d6konomie. Sie war es aber in einem anderen als dem gew\u00f6hnlich vermuteten Sinne: Die Akteure im Wirtschaftsgeschehen haben zur Absicherung ihrer Vorhaben unter den verf\u00fcgbaren wirtschaftstheoretischen Ans\u00e4tzen den gef\u00f6rdert, der ihre Absichten wissenschaftlich st\u00fctzte. Vorrang unter den Wirtschaftstheorien erhielt auf diese Weise diejenige, die die Meinungen der jeweiligen Mehrheitsparteien am besten gerecht werden konnte. Das erkl\u00e4rt ihre tempor\u00e4re Konjunktur und Krise (d.h. nach der ersten Weltwirtschaftskrise im Jahre 1857, Marxismus; von ungef\u00e4hr 1900 bis zur Great Depression, neoklassiche \u00d6konomie; nach der Great Depression der 1930er Jahre, Keynesianismus; von Mitte der 1970er Jahre bis ungef\u00e4hr 2008 Neoklassische \u00d6konomie; jetzt sind wir inmitten eines anderen \u201eParadigmenwechsels\u201c, Anm.d.Verf.). Die Theorie findet Akkzeptanz, so lange sie Umst\u00e4nde rechtfertigt, die nach der Meinung einer Mehrheit in einem Gemeinwesen als wirtschaftlich erfolgreich bewertet werden. Sie scheitert, wenn dies nicht zutrifft.\u201c (<a aria-label=\"Stadermann\/Steiger, \u201cSchul\u00f6konomik\u201d, 2001, 13 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=UlT9SzCEumkC&amp;lpg=PP1&amp;dq=schul%C3%B6konomik&amp;hl=de&amp;pg=PA13#v=onepage&amp;q=schul%C3%B6konomik&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stadermann\/Steiger, \u201cSchul\u00f6konomik\u201d, 2001, 13<\/a>)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Ideologie, die unter der Bezeichnung Monetarismus seit den 1970er Jahren vorangetrieben wurde, beinhaltet, dass die Zentralbank unter allen Umst\u00e4nden unabh\u00e4ngig sein muss, der Fokus nur auf Geldwertstabilit\u00e4t gelegt wird und dass ein Regierungshaushalt wie ein privater Haushalt gef\u00fchrt sein muss. Mit obiger Einsicht wird der Monetarismus als Teil des Machtplans erkennbar, der entworfen wurde, um die politische Macht von Arbeiterparteien, die am Ende der 1960er Jahre einen H\u00f6hepunkt erreichte, einzuschr\u00e4nken. Dieses neue wirtschaftspolitische Regime, das auch antistaatliche Deregulierung, Privatisierung und eine erzwungene Sparpolitik beinhaltete, f\u00fchrte schrittweise zur Version des Finanzkapitalismus des 21. Jarhunderts. Jenes Regime mit massiver Umverteilung von unten nach oben, das letztendlich im Jahr 2008 zusammenbrach und nun ein geisterhaftes Nachleben einer globalen Bankrottokratie f\u00fchrt &#8211; immer am Rande eines weiteren Zusammenbruchs bei im Kern weiterhin unver\u00e4nderter Wirtschaftspolitik.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht hilft die Einsicht in diese Zyklik sogar, den Wechsel von Regierungsformen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Jenen Wechsel, den Polybios als <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Verfassungskreislauf (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Anacyclosis\" target=\"_blank\">Verfassungskreislauf<\/a> beschrieben hat, und der in Teilen auch in Francis Fukuyamas neuestem Buch \u201c<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=j6hzAwAAQBAJ&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Political Order and Political Decay (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Political Order and Political Decay<\/a>\u201c zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die heutige Herausforderung: Eine neue internationale Ordnung<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine der Herausforderungen heute ist es, eine Wirtschaftsordnung zu entwickeln, die nicht nur den Interessen der oberen 5% der Bev\u00f6lkerung dient (wie im Neoliberalismus), sondern den Interessen der restlichen 95%. Um dies zu erreichen, bedarf es nicht nur einer soliden rechtlichen und institutionellen Grundlage f\u00fcr eine heterodoxe monet\u00e4re Makro\u00f6konomie, sondern auch eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung der politischen Strategie: einen Richtungswechsel der Umverteilung, von <em>von unten nach oben<\/em> hin zu <em>von oben nach unten<\/em>, und zudem eine Reduzierung der gro\u00dfen internationalen Leistungsbilanz-Ungleichgewichte. Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen hei\u00dft es gibt Nettogl\u00e4ubiger- und Nettoschuldner-Positionen, welche finanziert werden m\u00fcssen. Die Finanzierungsnotwendigkeit bestehender internationaler Leistungsbilanzungleichgewichte ist eine sehr einfache, aber oft \u00fcbersehene Erkl\u00e4rung f\u00fcr die &#8222;Finanzialisisierung&#8220; und den Aufstieg der Weltfinanzindustrie. Die altert\u00fcmliche L\u00f6sung, die das hebr\u00e4ische Recht&nbsp; f\u00fcr die Umverteilung von Gl\u00e4ubigern zu Schuldnern vorsieht, wurde als <a aria-label=\"Jubeljahr (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jubeljahr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jubeljahr<\/a> bezeichnet \u2013 eine vern\u00fcnftige Alternative zu einem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems, aber eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr nationale politische Institutionen, weil starke <a aria-label=\"Konkurrenzparadoxa (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konkurrenzparadoxon\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Konkurrenzparadoxa<\/a> \u00fcberwunden werden m\u00fcssen, um international wirksam zusammenarbeiten und einheitlich entscheiden und handeln zu k\u00f6nnen. Zudem sind die Interessengruppen, die aufgrund einer solchen Zusammenarbeit sehr gro\u00dfe Verluste hinnehmen m\u00fcssten, sehr m\u00e4chtig und verf\u00fcgen \u00fcber gro\u00dfen politischen Einfluss. Direkt nach der Finanzkrise im Jahr 2009, blitzte die Erkenntnis \u00fcber die Konsequenzen internationaler Leistungsbilanzungleichgewichte kurz bei Entscheidungstr\u00e4gern auf, von denen viele zu einer <a aria-label=\"Reorganisation des internationalen Finanzsystems im Sinne der Vorschl\u00e4ge von Keynes, die er in Bretton Woods im Jahre 1944 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik\/Bankor#Der_Keynes_Bancor_Plan_-_eine_L.C3.B6sung_f.C3.BCr_heute.3F\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reorganisation des internationalen Finanzsystems im Sinne der Vorschl\u00e4ge von Keynes, die er in Bretton Woods im Jahre 1944<\/a> vorstellte, aufriefen, nur um dieses Aufblitzen eine historische Sekunde sp\u00e4ter wieder durch (vermutlich n\u00fcchtern betrachtet leider realistischeres) nationalstaatliches \u201ebusiness as usual\u201d zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere gro\u00dfe Herausforderung stellt sich uns jetzt nach der Finanzkrise im Jahr 2008, n\u00e4mlich, wie sich <a aria-label=\"transnational mobile Finanzkonzerne (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/books.google.de\/books\/about\/Multinationals_and_the_Constitutionaliza.html?id=iMFJDAAAQBAJ&amp;redir_esc=y\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">transnationale mobile Konzerne<\/a> mit nationalen &#8211; und damit immobilen &#8211;&nbsp; Rechtssystemen \u00fcberhaupt regulieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese k\u00f6nnten nur auf supranationaler Ebene verl\u00e4\u00dflich reguliert werden, denn einzelne Staaten sehen sich in der Standortkonkurrenz mit anderen Staaten oft gezwungen, sich den Interessen dieser Konzerne zu beugen. IWF, die Weltbank, die UN und die EU<sup data-fn=\"74aa32b3-8ba3-43da-8683-9fef320d356d\" class=\"fn\"><a href=\"#74aa32b3-8ba3-43da-8683-9fef320d356d\" id=\"74aa32b3-8ba3-43da-8683-9fef320d356d-link\">1<\/a><\/sup> sind jedoch <em>keine<\/em> staatlichen Institutionen. Demzufolge ist es ein notwendiger Schritt in Richtung einer neuen internationalen Finanzordnung, den Para-Staat EU in einen echten Bundesstaat umzuwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann aber kein blo\u00dfes &#8222;weiter so&#8220; auf dem Weg sein, der durch wirklichkeitsfremde Wirtschaftswissenschaft seit dem Jahre 1992 vorgezeichnet wurde. Eine ernsthafte Angleichung der Rechtssysteme und Institutionen h\u00e4tte einer Verg\u00f6\u00dferung der EU vorausgehen m\u00fcssen. Diese Angleichung wurde nicht gemacht, die Integration und Vergr\u00f6\u00dferung der EU wurde viel zu schnell vorangetrieben. Die Eurozone, an der nicht alle EU-Staaten teilnehmen, ist eine Konstruktion, die sich auf eine fehlerhafte Wirtschaftstheorie st\u00fctzt und deshalb so nicht \u00fcberleben kann. Die Eurozone und die EU waren in einer wirtschaftswissenschaftlichen, theoretischen Sackgasse und haben sich deshalb in eine praktische Sackgasse hinein man\u00f6vriert. Was ben\u00f6tigt wird, ist eine grundlegende Neubetrachtung, und eine realistische Strategie, die sich auf realistische \u00d6konomie, basierend auf Recht, einzel- und gesamtwirtschaftlicher Buchhaltung und Saldenmechanik sowie monet\u00e4rer Makro\u00f6konomie st\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt eine weitere Herausforderung, die wahrscheinlich noch gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes ist: die Herausforderung, Jahrzehnte des Scheiterns in Entwicklungshilfe und Entwicklungs\u00f6konomie aufzuarbeiten und Entwicklungsl\u00e4ndern einen praktisch gangbaren Weg zu einer modernen Wirtschaft zu zeigen.  Eine moderne Wirtschaft kann wohl nur so anfangen wie sie in Europa, der Wiege des Kapitalismus, auch angefangen hat: durch Staatsbildung.  Eine blo\u00dfe internationale Schulden-Restrukturierung, ohne eine Strategie zur Bildung funktionierender Staaten, k\u00f6nnte zu einer thematischen Wiederholung der selben Entwicklungsfehler der letzten 40 Jahre f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Europa sieht sich einer h\u00f6chst komplexen Kombination an Herausforderungen gegen\u00fcber und muss sich \u00fcber die eigenen Grundlagen klar werden, um so die F\u00e4higkeit zu entwickeln diesen einen Schritt voraus zu sein um diese Herausforderungen bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Um sie \u00fcberhaupt aufsp\u00fcren zu k\u00f6nnen, braucht Europa eine Neue Europ\u00e4ische Politische \u00d6konomie, die sich fest auf ein klares Verst\u00e4ndnis der rechtlichen Konzepte und Institutionen st\u00fctzt, die die Grundlage westlicher Zivilisation und ihre Beziehung zu \u201eWirtschaft\u201c und \u201ePolitik\u201c bilden. Die europ\u00e4ische Herausforderung ist eine doppelte: es ist nicht <em>nur<\/em> eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung der Wirtschaftspolitik n\u00f6tig (wie es der Fall in den 1930er Jahren war), sondern <em>zudem<\/em> eine ernsthafte Institutionenbildung vonn\u00f6ten, in einzelnen Gliedstaaten wie auch die gesamte Union betreffend. Keynesianer und Postkeynesianer nehmen die letztere Herausforderung noch immer nicht wahr und verbleiben damit auf dem Weg der paradigmatischen Selbstausgrenzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die falsche Richtung, die die EU und die Eurozone eingeschlagen haben, und die tiefgreifend unzusammenh\u00e4ngende Reaktion auf die Finanzkrise im Jahre 2008, beruhen auf mangelndem gesamtwirtschaftlichen Verst\u00e4ndnis. Postkeynesianer betonen <em>diesen<\/em> Punkt v\u00f6llig zurecht. In der postkeynesianischen Analyse fehlen die institutionellen Unzul\u00e4nglichkeiten der Eurozone und der EU als Ganzes deshalb, weil die verwendeten Modelle eine solide rechtliche und institutionelle Basis vermissen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ziel ist es, eine solide rechtliche und institutionelle Basis f\u00fcr monet\u00e4re Makro\u00f6konomie zu schaffen, um \u00fcber die analytischen Werkzeuge zu verf\u00fcgen, die n\u00f6tig sind um die Krise der Eurozone und der EU als Ganzes verstehen zu k\u00f6nnen. Nur so k\u00f6nnen wir in die Lage kommen eine vern\u00fcnftige Strategie zu entwickeln, die beides enth\u00e4lt: eine massive Ver\u00e4nderung der Wirtschaftspolitik (wie sie die Postkeynesianer korrekterweise fordern) und zudem ernsthafte Staats- und Institutionenbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herausforderung ist gro\u00df und noch nicht viele Menschen erkennen sie in ihrem gesamten Ausma\u00df. Die gro\u00dfen weiteren Herausforderungen in den Bereichen Demographie, Familie, Migration und Gewalt, denen Europa in den n\u00e4chsten Jahrzehnten ebenfalls gegen\u00fcberstehen wird, haben wir dabei noch nicht einmal angerissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir m\u00fcssen die Herausforderungen annehmen und der erste rationale Schritt ist, unsere eigene Wahrnehmung zu kl\u00e4ren. Dazu wollen wir trennscharfe Begriffe und integrativere und angemessenere Konzepte benutzen, die beim Recht beginnen und dieses systematisch mit monet\u00e4rer Makro\u00f6konomie und Finanzierung mittels der Rechnungslegung und der Saldenmechanik verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a> Das ist unser Ziel. Als ersten Schritt haben wir unsere Ideen auf dem <em>2016 Symposium on Property Rights of the World Interdisclipinary Network for Institutional Research<\/em> in Bristol, das vom 4. bis 6. April 2016 statt fand, pr\u00e4sentiert. Hier noch einmal die Videos unserer Pr\u00e4sentationen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Systematische rechtliche Grundlagen monet\u00e4rer Makro\u00f6konomik \u2013 ein wichtiger Schritt in Richtung eines neuen Paradigmas f\u00fcr politische \u00d6konomie<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Wolfgang Theil - WINIR Symposium &quot;Property Rights&quot;, April 4th 2016, Bristol, UK\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/D8O5-ke6tWs?list=PLyRk2yIHSNKl68kve8CufAgNc5cCOvKiy\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Warum Verm\u00f6gen nicht aus Dingen besteht, warum Kaufen nicht gleich Bezahlen ist und warum ein neues makro\u00f6konomisches Paradigma beide mikro\u00f6konomischen Einsichten ber\u00fccksichtigen muss<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Nicolas Hofer - WINIR Symposium 2016 on Property Rights - Bristol\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/DCQ5LaferHY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Wir laden Sie ein mit uns in Dialog zu treten und hoffen auf Ihre Unterst\u00fctzung, Kritik und allgemeines Feedback. Herzlichen Dank!<\/p>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"74aa32b3-8ba3-43da-8683-9fef320d356d\"><em>\u201eDie EU entspricht weiterhin nicht dem Typ des V\u00f6lkerrechtssubjekts Staat. Man kann zwar mit guten Gr\u00fcnden behaupten, da\u00df die Kriterien des Staatsgebiets und Staatsvolks bereits auf Unionsebene erf\u00fcllt sind. Das rechtfertigt jedoch allenfalls die Annahme von Para-Staatlichkeit, aber eben nicht von souver\u00e4ner Staatlichkeit. Die f\u00fcr die Staatlichkeit letztlich ausschlaggebende Staatsgewalt muss in ihrer Substanz den Mitgliedstaaten verbleiben. Beim existenziellen Konflikt setzt sich die Hoheitsgewalt der Mitgliedstaaten durch. Der existenzielle Konflikt ist gegeben, wenn die Mitgliedstaaten Rechtsakte der Union befolgen sollen, die sie f\u00fcr unionrechtswidrig, verfassungswidrig oder existenzgef\u00e4hrdend halten. Dann kommt es auf die M\u00f6glichkeit der Nullifikation und Sezession an.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/kuehl-reichold-ronellenfitsch-einfuehrung-rechtswissenschaft\/product\/27548709\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">K\u00fchl\/Reicholdt\/Ronellenfitsch 2011: Einf\u00fchrung in die Rechtswissenschaft. M\u00fcnchen: C.H. Beck<\/a>, S. 268)<\/em> &#8211; siehe dazu ausf\u00fchrlicher auch <a href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=960&amp;lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">diesen Blogartikel<\/a> <a href=\"#74aa32b3-8ba3-43da-8683-9fef320d356d-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Am besten w\u00e4re, Sie nehmen sie sich Zeit, diesen Text in Ruhe &#8211; und gegebenenfalls auch mehrmals &#8211; zu lesen. Der Text kann unter Umst\u00e4nden schon dadurch herausfordernd sein, weil Begriffe unterschiedlicher Fachbereiche Verwendung finden, deren Bedeutung nicht immer der Alltagsverwendung dieser Begriffe entspricht, so sie \u00fcberhaupt im Alltag Verwendung finden.&nbsp; Weil der Text&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=262&#038;lang=de\"><span class=\"screen-reader-text\">Legal Institutionalism: die Dialektik des Rechts<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"video","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":"[{\"content\":\"<em>\u201eDie EU entspricht weiterhin nicht dem Typ des V\u00f6lkerrechtssubjekts Staat. 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