{"id":1090,"date":"2019-01-06T23:17:02","date_gmt":"2019-01-06T22:17:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=1090"},"modified":"2019-01-14T11:25:55","modified_gmt":"2019-01-14T10:25:55","slug":"stephan-schulmeisters-lange-zyklen-modell-vom-realkapitalismus-zum-finanzkapitalismus-and-back-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=1090&lang=de","title":{"rendered":"Stephan Schulmeisters Lange-Zyklen-Modell: vom Realkapitalismus zum Finanzkapitalismus and Back Again"},"content":{"rendered":"\n<p>Unser Gespr\u00e4ch mit Stephan Schulmeister ist online:  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"AcademyTalk mit Stephan Schulmeister\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NE48zzkwkbI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Stephan Schulmeisters Arbeiten waren eine wichtige Quelle f\u00fcr uns bei unserem Versuch, \u00fcber eine schl\u00fcssige Theorie kapitalistischer Geldwirtschaft als historisch spezifische, westliche Gesellschaftsform hinaus auch deren Entwicklungen seit der Finanzkrise von 2008ff. besser verstehen und einordnen zu k\u00f6nnen.   Schulmeister ragt f\u00fcr uns aus dem Gros der postkeynesianischen \u00d6konomie v.a. auch deshalb weit heraus, weil er \u2013 wie sein Vorbild Keynes &#8211; eine sehr breit angelegte theoretisch-makro\u00f6konomische und historische Perspektive auf die gegenw\u00e4rtige Situation [des westlichen Kapitalismus] mit einem detaillierten, umfassenden Reformplan kombiniert, der die Reformen nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er \u2013 den New Deal und die Nachkriegsordnung von Bretton Woods \u2013 auf die heutige Situation \u00fcbertr\u00e4gt. &nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Einen guten einf\u00fchrenden Vortrag in seine Sicht der Dinge von Schulmeister selbst gibt es <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"auf unserem youtube-Kanal (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A53BQUq6dtI&amp;index=1&amp;list=PLyRk2yIHSNKkoEujQwhLHpBRN-euSpEf5\" target=\"_blank\">auf unserem youtube-Kanal<\/a>.  In aller K\u00fcrze zusammengefa\u00dft:  In seiner Lange-Wellen-Theorie, die er \u00fcber die letzten 20 Jahre in einer Reihe von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"downloadbaren Papers (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/index.php?id=204\" target=\"_blank\">downloadbaren Papers<\/a> und einem <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"B\u00fcchlein (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.picus.at\/produkt\/mitten-in-der-grossen-krise-ein-new-deal-fuer-europa-ebook\/\" target=\"_blank\">B\u00fcchlein<\/a> entwickelt und jetzt in seinem Hauptwerk \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Der Weg zur Prosperit\u00e4t (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/Schulmeister_Prosperitaet_Einl_14_17_20.pdf\" target=\"_blank\">Der Weg zur Prosperit\u00e4t<\/a>\u201c zusammengefa\u00dft hat, zieht Schulmeister Parallelen zwischen der Entwicklung der 20er Jahre (Finanzkapitalismus) mit dem B\u00f6rsenkrach von 1929 mit anschlie\u00dfender Weltwirtschaftskrise, und der Entwicklung der 2000er (Finanzkapitalismus) bis heute.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Lernen aus der Weltwirtschaftskrise enstand eine neue Wirtschaftstheorie \u2013 die keynesianische \u2013 auf deren Basis dann die institutionelle Spielanordnung des modernen Kapitalismus zun\u00e4chst mit Roosevelts New Deal und dann nach WK II v.a. durch die Amerikaner komplett umgestaltet wurde (Bretton Woods-System).&nbsp; Die internationale Finanzwirtschaft wurde reguliert und geb\u00e4ndigt, nicht zuletzt \u00fcber ein System fixer Wechselkursbandbreiten.  Darauf folgte wiederum eine lange \u201erealkapitalistische\u201c Aufschwungphase, in der es sich f\u00fcr die Unternehmer wieder lohnte, in reale Produktionsmittel zu investieren und daf\u00fcr Nettogeldverm\u00f6gen abzubauen, sowie statt mit Finanzkapitalinteressen mit den Interessen der Arbeiterschaft zu kooperieren.&nbsp; Aus dem Umbau der Spielanordnung nach Weltwirtschaftskrise und WK II lassen sich analoge Aufgaben f\u00fcr die Gegenwart herausanalysieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie die finanzkapitalistische Spielanordnung scheiterte dann auch die realkapitalistische am Ende des langen Aufschwungs der 50er und 60er Jahre an sich selbst \u2013 das war die Krise der 70er Jahre mit der L\u00f6sung der Goldbindung des Dollar durch Nixon mit anschlie\u00dfender Dollarabwertung und \u00d6lpreisschocks, dem Ende des Bretton Woods-Systems fixer Wechselkursbandbreiten, und Stagflation. In den 1980ern begann dann &#8211; ideologisch vorbereitet und flankiert durch Milton Friedmans antikeynesianisch-marktfundamentalistische, &#8222;neoliberale&#8220; Neuauflage der Quantit\u00e4tstheorie, den Monetarismus &#8211; eine finanzkapitalistische Abschwungphase, die \u00fcber den sich in den sp\u00e4ten 80ern entwickelnden Casinokapitalismus schlie\u00dflich zum Kollaps des Sozialismus 1989 und schlie\u00dflich zum krisenhaften H\u00f6hepunkt der Weltfinanzkrise von 2008 f\u00fchrte. Wieder gerieten marktfundamentalistisch-liberale Theorien in eine Krise, es kam zum Aufstieg rechtsnationalistischer Parteien.<\/p>\n\n\n\n<p> Wer sich in aller K\u00fcrze in Schulmeisters sehr klare Sicht der Dinge einlesen m\u00f6chte, dem empfehlen wir \u00fcber das oben verlinkte Video hinaus auch seine papers, &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Die gro\u00dfe Krise: Beginn der Talsohle des &quot;Langen Zyklus (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/Die_grosse_Krise.pdf\" target=\"_blank\">Die gro\u00dfe Krise: Beginn der Talsohle des &#8222;langen Zyklus<\/a>&#8220; oder &#8211; etwas ausf\u00fchrlicher &#8211; &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Finanzkapitalismus und Realkapitalismus: zwei Spielanordnungen und Phasen des langen Zyklus (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/Real-_Finanzkapitalismus_11_13.pdf\" target=\"_blank\">Finanzkapitalismus und Realkapitalismus: zwei Spielanordnungen und Phasen des langen Zyklus<\/a>&#8220; und &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Der Lernwiderstand der Eliten in einer gro\u00dfen Krise (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/Lernwiderstand_Schulmeister_01_01.pdf\" target=\"_blank\">Der Lernwiderstand der Eliten in einer gro\u00dfen Krise<\/a>.&#8220;  Eine ausf\u00fchrliche Darstellung seiner Reformvorstellungen &#8211; einem New Deal f\u00fcr Europa, der das Ziel der Wiederherstellung einer realkapitalistischen Spielanordnung verfolgt &#8211; findet sich in aller K\u00fcrze <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"hier (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/New_Deal_Blaetter_08_14.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a>, und ausf\u00fchrlich <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"hier (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.picus.at\/produkt\/mitten-in-der-grossen-krise-ein-new-deal-fuer-europa-ebook\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>.   <\/p>\n\n\n\n<p>Wir halten Schulmeisters Vorschl\u00e4ge im Kern f\u00fcr richtig und sehen EU und Euro als &#8222;<a href=\"https:\/\/stephanschulmeister.wifo-pens.at\/fileadmin\/homepage_schulmeister\/files\/EuroabwicklungDerFinaleSchrittInDenWirtschaftskrieg.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"das Richtige im Falschen (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">das Richtige im Falschen<\/a>&#8220; &#8211; als n\u00f6tige Entwicklungen unter &#8222;falschen&#8220;, zu radikal liberalen  Vorzeichen.  Wir halten aber seine Vorschl\u00e4ge f\u00fcr in der gegenw\u00e4rtigen geopolitischen und EU-institutionellen Lage doch etwas schwieriger umzusetzen als Schulmeister das darstellt, und sehen f\u00fcr eine wirksame Umsetzung die Notwendigkeit staatlicher Institutionen auf europ\u00e4ischer Ebene (siehe dazu unseren <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Kommentar zu Heiner Flassbecks unverbindlichem &quot;makro\u00f6konomischem Dialog&quot; (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=960&amp;lang=de\" target=\"_blank\">Kommentar zu Heiner Flassbecks unverbindlichem &#8222;makro\u00f6konomischem Dialog&#8220;<\/a> als Koordinationsinstrument der nationalen Wirtschaftspolitiken innerhalb der Eurozone).  <\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei den meisten Keynesianern fehlt aus unserer Sicht auch bei Schulmeister ein klares Bewu\u00dftsein f\u00fcr die historisch spezifischen rechtsinstitutionellen Fundamente der Geldwirtschaft mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lohnarbeit#Neuzeit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"freier Lohnarbeit (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">freier Lohnarbeit<\/a> (&#8222;moderner Kapitalismus&#8220;, &#8222;moderne westliche Zivilsation&#8220;), und damit leider auch ein Bewu\u00dftsein f\u00fcr die Unterschiede zwischen nationalem, staatlichem Recht, internationalem (sogenanntem) Recht und EU-Recht, sowie ein Bewu\u00dftsein daf\u00fcr, da\u00df keynesianische Nachfragesteuerung nur unter K\u00e4ufermarktverh\u00e4ltnissen funktioniert, diese aber nach und nach abbaut und so letztlich an sich selbst scheitert (70er Jahre). <\/p>\n\n\n\n<p>Mi\u00dfverstanden hat Schulmeister bisher noch, inwiefern wir St\u00fctzels Werk als &#8222;General Theory&#8220; betrachten (58:20 des Videos). Wir verstehen dieses ja gerade nicht als Wirtschaftstheorie, die f\u00fcr alle Zeiten und Kulturen g\u00fcltig ist, sondern &#8211; \u00e4hnlich wie Marx &#8211; als Theorie der historisch spezifischen modernen europ\u00e4ischen (&#8222;westlichen&#8220;) Zivilisation (&#8222;moderner Kapitalismus&#8220;) mit <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"freier Lohnarbeit (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lohnarbeit#Neuzeit\" target=\"_blank\">freier Lohnarbeit<\/a> . Wir betrachten daher Staat, Aufkl\u00e4rung, Naturrecht, b\u00fcrgerliches Recht und Demokratie eben auch aus kulturvergleichend-rechtsethnologischer Perspektive: b\u00fcrgerliches Recht (Eigentum &amp; Vertrag) ist &#8211; obwohl es auf universellen Aussagen beruht, die alle B\u00fcrger vor dem Recht gleich behandeln &#8211; eben selbst <em>nicht <\/em>historisch, kulturell und geographisch universell oder gar &#8222;nat\u00fcrlich&#8220;, sondern eine spezifisch westliche Form, menschliche Beziehungen zu organisieren und stammt aus der griechisch-r\u00f6mischen Antike. B\u00fcrgerliche Rechtsbeziehungen und &#8222;geldwerte Verm\u00f6gensrechte&#8220; (&#8222;assets &amp; liabilities&#8220;, Verm\u00f6gen und Schulden) sind keine anthropologischen Konstanten, sondern Erfindungen der westlichen Zivilisation:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Immaterial-Rights-vs-physical-things-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1252\" width=\"582\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Immaterial-Rights-vs-physical-things-1.jpg 960w, https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Immaterial-Rights-vs-physical-things-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Immaterial-Rights-vs-physical-things-1-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><figcaption>Von Menschen hergestellte Dinge sind universell &amp; allgemeinmenschlich, b\u00fcrgerliche Rechtsbeziehungen sind historisch und kulturell spezifisch, n\u00e4mlich westlich (r\u00f6misches Recht). <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>   <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p> Mit &#8222;General&#8220; meinen wir lediglich: St\u00fctzels Modell kann den neoklassischen Fall, in dem Geld als neutraler &#8222;numeraire&#8220; keinerlei Rolle spielt, als den Sonderfall des Einnahme\/Ausgabe-Gleichschritts identifizieren, zu dem Walras durch implizite (und unrealistische, nicht generalisierbare) Unterstellungen kommt, und dies als Sonderfall in sein Kreislaufmodell integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als die marx&#8217;sche und postkeynesianische Heterodoxie, die sich als <em>Alternative<\/em> zur Neoklassik versteht, versteht St\u00fctzel sein Werk als eines, das &#8211; auf rein empirischer Basis &#8211; die von Neoklassik, Marx und Keynes\/Postkeynesianismus beschriebenen F\u00e4lle als Sonderf\u00e4lle enh\u00e4lt &#8211; aber dar\u00fcberhinaus eben weitere F\u00e4lle.  Gerade auch die Entstehung der von Marx so un\u00fcbertrefflich beschriebenen, von Liberalen typischerweise ausgeblendeten und von Keynesianern implizit f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich genommenen &#8222;stummen Zw\u00e4nge der (kapitalistischen) Verh\u00e4ltnisse&#8220;, von Marktmachtkonstellationen in auf Eigentum und Vertragsfreiheit beruhenden b\u00fcrgerlichen Gesellschaften wie z.B. K\u00e4ufermarktspannungen (die auf Arbeitsm\u00e4rkten bei Unterbesch\u00e4ftigung &#8211; also wenn eine &#8222;industrielle Reservearmee&#8220; vorhanden ist &#8211; existieren), erkl\u00e4rt St\u00fctzel sehr schl\u00fcssig, und benennt sogar eine ganze Klasse von Konkurrenzparadoxa nach dem von ihm u.E. hervorragend interpretierten Marx (&#8222;Marx&#8217;sche Paradoxa&#8220;, vgl. Grass\/St\u00fctzel 1988: <em>VWL &#8211; eine Einf\u00fchrung auch f\u00fcr Fachfremde<\/em>, M\u00fcnchen: C.H. Beck, S. 161-165 und St\u00fctzel 1953: <em>Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft<\/em>, Aalen: Scientia 1979, S. 375-408; St\u00fctzel 1952: <em>Preis, Wert und Macht. Analytische Theorie des Verh\u00e4ltnisses der Wirtschaft zum Staat. <\/em>Aalen: Scientia 1972<em>).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz alledem fanden wir aber, da\u00df sich St\u00fctzels sehr schl\u00fcssige Konjunkturtheorie durch Schulmeisters Lange-Wellen-Theorie sehr gut historisch konkretisieren und um institutionelle, wirtschaftspolitische und ideologische Aspekte des &#8222;langen Zyklus&#8220; (fixe vs. flexible Wechselkurse, Stabilit\u00e4tsgesetz vs. staatl. Austerity, &#8222;dritter Weg&#8220; vs. Marktfundamentalismus), erg\u00e4nzen l\u00e4\u00dft.  Wir meinen, da\u00df dabei gleichzeitig Schulmeisters Lange-Zyklen-Modell auf der theoretischen Ebene korrigiert und pr\u00e4zisiert werden kann und sich so vielleicht sogar das Scheitern der &#8222;realkapitalistischen&#8220; keynesianischen Nachfragesteuerung &#8222;an sich selbst&#8220; (Schulmeister) in den 70er Jahren noch schl\u00fcssiger erkl\u00e4ren l\u00e4\u00dft als bei Schulmeister. <\/p>\n\n\n\n<p>Einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber diese Integration findet ihr im Vortrag von Thomas Weiss: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Thomas Weiss - St\u00fctzel&#039;s Theory of Business Cycles and Mechanics of Balances - Nov. 2, 2017, Oslo\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/X5tmtw8p5MA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Schulmeisters Phasen des langen Zyklus lassen sich sehr sch\u00f6n in die Plansystematik von St\u00fctzels Konjunkturtheorie einsortieren: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Konjunktur-St\u00fctzel-I.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1107\" width=\"593\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Konjunktur-St\u00fctzel-I.jpg 960w, https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Konjunktur-St\u00fctzel-I-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.anep-economics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Konjunktur-St\u00fctzel-I-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><figcaption>St\u00fctzels Konjunkturtheorie, historisch illustriert mit Schulmeisters Phasen des &#8222;langen Zyklus&#8220;.  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>St\u00fctzel schreibt dar\u00fcber in seinem 1953 verfa\u00dften Buch &#8222;Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft&#8220; (S. 188):   <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Reine Gleichgewichtstheorie kann f\u00fcr die gegebenen F\u00e4lle der Plandivergenzen (geplante Gesamteinnahmen\/Gesamtangebot an G\u00fctern\/Diensleistungen &gt; oder &lt; geplante Gesamtausgaben\/Gesamtnachfrage nach G\/DL) \u00fcberhaupt keine L\u00f6sung angeben. Keynesianische Besch\u00e4ftigungstheorie kennt nur die 2 F\u00e4lle der beiden oberen Quadranten (K\u00e4uferm\u00e4rkte)&#8220;. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder also, da\u00df die keynesianische Theorie in den 70er Jahren, als staatliche Nachfrageprogramme nicht mehr wirkten, an den beiden unteren F\u00e4llen (Verk\u00e4uferm\u00e4rkte) dann scheiterte, durch den Monetarismus und &#8222;Neoliberalismus&#8220; ersetzt wurde und erst 2008 wieder etwas aus der Versenkung auftauchte.   Dagegen war St\u00fctzels Ziel, den Streit zwischen Keynesianern und Antikeynesianern so aufzul\u00f6sen, da\u00df er den Geltungsbereich beider f\u00fcr sich genommen zu absolut und fundamentalistisch formulierten Positionen einschr\u00e4nkte (Keynesianer behalten Recht auf K\u00e4uferm\u00e4rkten, Antikeynesianer auf Verk\u00e4uferm\u00e4rkten) und so beide scheinbar kontr\u00e4re Positionen bruchlos integrieren konnte.  Genau das leistet seine Konjunkturtheorie u.E. auch &#8211; und liefert damit einen schl\u00fcssigen theoretischen Unterbau f\u00fcr jene <strong>antizyklische<\/strong> Konjunkturpolitik, die Keynes mit folgenden Worten empfahl: <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8220; The important thing for Government is not to do things which individuals are doing already, and to do them a little better or a little worse; but to do those things which at present are not done at all. &#8220; (J.M. Keynes 1926: The End of Laissez-Faire. In: Essays in Persuasion, <\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"online (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/gutenberg.ca\/ebooks\/keynes-essaysinpersuasion\/keynes-essaysinpersuasion-00-h.html#End_Laissez-faire\" target=\"_blank\"><em>online<\/em><\/a><em>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Aspekte von St\u00fctzels Integration von Konjunkturtheorien aus sehr unterschiedlichen Theorietraditionen pr\u00e4sentiert Johannes Schmidt in diesem Vortrag:  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Johannes Schmidt - St\u00fctzel&#039;s Theory of Business Cycles II - Nov. 2, 2017, Oslo\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/tUvGloRaVnw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Gleichschritt vs. Abweichungen: Integration verschiedener orthodoxer und heterodoxer Konjunkturtheorien neoklassischer, postkeynesianischer und neukeynesianischer Provenienz in St\u00fctzels generellem Schema. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die klarste Darstellung von St\u00fctzels (einzigartiger, bisher auch von Keynesianern nicht entdeckten) Konjunkturtheorie, aus der das obige 4-Quadranten-Modell stammt, findet ihr in St\u00fctzels Buch, &#8222;VWL &#8211; eine Einf\u00fchrung auch f\u00fcr Fachfremde&#8220;, 2. Auflage 1988 (verfa\u00dft zusammen mit R.D. Grass), im Kap. 5.9., das hoffentlich bald in neuer, 3. Auflage erscheinen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeiterbewegung &#8211; ein altmodisch klingendes Wort, aber Lohnarbeit ist auch heute mehr denn je Realit\u00e4t &#8211; liegt orientierungs- und machtlos darnieder, Marx und Keynes sind trotz vieler richtiger Beobachtungen an zentralen Herausforderungen gescheitert.  Es fehlt eine systematische und historische Theorie, die eine realistische Analyse der gegenw\u00e4rtigen historischen Situation anleiten, Orientierung bieten und gezieltes Handeln erm\u00f6glichen w\u00fcrde.  F\u00fcr eine solche Theorie sind Grundlagenkl\u00e4rungen unverzichtbar.  Wie Schulmeister oder Varoufakis versuchen wir, dazu einen substanziellen Beitrag zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Unseren Gesamt\u00fcberblick \u00fcber die historisch spezifischen, rechtsinstitutionellen und mikro-\/makro-buchhalterischen Fundamente der kapitalischen Geldwirtschaft bzw. westlichen Zivilisation findet ihr hier:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li> einf\u00fchrender <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Blogartikel  (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=262&amp;lang=de\" target=\"_blank\">Blogartikel <\/a>(deutsch)  <\/li><li><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"ANEP Economics Einf\u00fchrungsseminar (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLyRk2yIHSNKndma7yOQi1iRzoRV0SqATC\" target=\"_blank\">ANEP Economics Einf\u00fchrungsseminar<\/a> an der Norwegian Business School (englisch) &#8211; Kurz\u00fcberblick \u00fcber die Inhalte <a href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"hier (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">hier<\/a> (etwas runterscrollen!)<\/li><li><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Background-Literatur (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=483&amp;lang=en\" target=\"_blank\">Background-Literatur<\/a> dazu  <\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Gespr\u00e4ch mit Stephan Schulmeister ist online: Stephan Schulmeisters Arbeiten waren eine wichtige Quelle f\u00fcr uns bei unserem Versuch, \u00fcber eine schl\u00fcssige Theorie kapitalistischer Geldwirtschaft als historisch spezifische, westliche Gesellschaftsform hinaus auch deren Entwicklungen seit der Finanzkrise von 2008ff. besser verstehen und einordnen zu k\u00f6nnen. Schulmeister ragt f\u00fcr uns aus dem Gros der postkeynesianischen \u00d6konomie&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/blog.anep-economics.org\/?p=1090&#038;lang=de\"><span class=\"screen-reader-text\">Stephan Schulmeisters Lange-Zyklen-Modell: vom Realkapitalismus zum Finanzkapitalismus and Back Again<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1090","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-de","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1090","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1090"}],"version-history":[{"count":41,"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1090\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1277,"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1090\/revisions\/1277"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1090"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1090"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.anep-economics.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1090"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}